Ukraine

Militärexperte sagt, wie man Putins Krieg beendet

Der Kreml lässt ukrainische Städte bombardieren, das Vorrücken der russischen Truppen stockt allerdings. Wie man es beendet, sagt ein Militärexperte.
Rene Findenig
22.03.2022, 22:36

Russische Truppen befinden sich laut dem österreichischen Militärexperten und Politikwissenschaftler Gustav Gressel in einer "operativen Pause", wie er am späten Dienstagabend in der ORF-"ZiB 2" bei Moderator Armin Wolf erklärte. Man habe sich beim Angriff auf die Ukraine "überdehnt" und viele Verluste eingefahren – jetzt müssten sich Moskaus Invasoren neu organisieren, "dazu lässt man die Front ruhen". Der Experte warnte aber: "Das ist noch nicht der Wendepunkt."

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"Zu viele Städte auf einmal"

Gressel erinnerte an den 1. April, an dem Rekruten im russischen Militärdienst abrüsten und viele davon dann Soldatenverträge eingehen würden – das würde Truppen-Nachschub für den russischen Präsidenten Wladimir Putin bedeuten. Und dann? "Mitte April, Ende April" wäre dann eine große Offensive auf die Stadt Kiew möglich, so Gressel. Der bisherige Fehler: Die Russen hätten "zu viele Städte auf einmal" einnehmen wollen und keine Schwerpunkte gesetzt.

Aber Kiew sei eine "schwierige Stadt", die viele Kräfte verschlingen würde, so der Militärexperte. Zwar versuche man bereits, die Bevölkerung "in die Kapitulation zu bombardieren", "wie so oft in der Geschichte dürfte das aber nach hinten losgehen", so Gressel. Viele Ukrainer würden sagen, "jetzt erst recht" und dann zur Waffe greifen, so Gressel. "Ja, das ist zu einem gewissen Grad zu befürchten", sagte der Experte dagegen zum möglichen Einsatz von chemischen oder biologischen Kampfstoffen.

"Erschöpfungsfrieden" möglich

Vor allem bei chemischen Waffen sei der Einsatznachweis schwierig, so Gressel. Setze Putin Chemiewaffen ein, würde ihm das zudem Zeit für die Planung einer Offensive geben, während der Westen mit dem Chemieangriff beschäftigt sei. Den Einsatz von Atomwaffen hielt der Experte derzeit dagegen "psychologisches Spiel mit unseren Ängsten", die Drohung sei die letzte Waffe, die Putin zur Verfügung stehe. Allerdings: Greife die NATO ein und schlage die russischen Truppen, sehe es anders aus.

Und wie besiegt man Putin dann? Wenn man Russland in einen "Ermattungszustand", einen "Erschöpfungsfrieden", treiben wolle, müsse man die Wirtschaftskosten in Russland schnell sehr hoch treiben. "Ein kompletter finanzieller Absturz, eine Hyperinflation" würde in Russland die Diskussion zum Krieg sehr stark befeuern und gleichzeitig die Kriegskassen rapide leeren, so Gressel. "Ein Krieg in der hohen Intensität ist kein Dauerzustand", so Gressel, weswegen man rasch härteste Maßnahmen umsetzen müsse, über Nachhaltigkeit könne man danach sprechen. Heißt: Ein sofortiger, temporärer Komplett-Stopp von Öl- und Gaslieferungen.

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