Millionärin (33): "Lasst mich endlich Steuern zahlen"

Multimillionärin Stefanie Bremer (33) engagiert sich im Verein "TaxMeNow" für eine Umverteilung des Vermögens in der Gesellschaft.
Multimillionärin Stefanie Bremer (33) engagiert sich im Verein "TaxMeNow" für eine Umverteilung des Vermögens in der Gesellschaft.Screenshot Instagram / taxmenow
Die deutsche Millionen-Erbin Stefanie Bremer geht mit der Politik hart ins Gericht. Sie fordert eine Umverteilung des Reichtums – angefangen bei ihr.

Nicht nur in Österreich, auch in Deutschland schießen die Energiepreise durch die Decke. Viele Bürger müssen mittlerweile jeden Cent drei Mal umdrehen, während ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung kaum etwas von den Krise in ihrem Alltag zu spüren bekommen. Stefanie Bremer (33) gehört selbst zu den oberen Zehntausend, ihr Vermögen ist rund 10 Millionen Euro schwer. Doch im Gegensatz zu anderen, die das Luxusleben abseits der Öffentlichkeit genießen, stellt sie sich nun ins Rampenlicht und geht mit der deutschen Regierungspolitik hart ins Gericht. Diese bezeichnet sie nun im "Focus" als "undurchdacht und zutiefst unsozial".

"Macht mich ehrlich fassungslos"

"Ich sorge mich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Menschen scheinen sich zunehmend von der Politik alleingelassen zu fühlen", sagt die Vermögende. Die in Deutschland gesetzten Maßnahmen gegen die Teuerung von Tankrabatt über Heizungspauschale zu Neun-Euro-Ticket seien wenig durchdacht.

"Das ist Gießkanne par excellence", kritisiert die 33-Jährige. Sie hätte sich eine sozial treffsichere Entlastung gewünscht. Die Regierung habe es aber versäumt, rechtzeitig schon im Frühjahr zu handeln, weshalb dann offenbar Schnellschüsse abfeuert worden seien. "Das macht mich ehrlich fassungslos".

"Während die Leute eisern sparen, leben viele Vermögende weiter wie bisher. Dabei könnte gerade hier durch eine Verhaltensänderung ungleich mehr bewirkt werden", kritisiert sie in Hinblick auf den Energieverbrauch. Steigender Wohlstand führe zu mehr Energieverbrauch.

"Eine Studie kommt beim durchschnittlichen Energieverbrauch in Deutschland auf 87 Gigajoule pro Jahr. Das oberste Prozent der Superreichen beansprucht im Schnitt 400 Gigajoule. Der Verzicht auf einen Privatpool, eine Yacht und anderen klimaschädlichen Konsum birgt enormes Einsparpotenzial."

Wie auch die Millionen-Erbin Marlene Engelhorn (30) in Österreich wünscht sich auch Bremer eine radikale Umverteilung des Reichtums in Deutschland: "Ich habe oft die Zeilen aus einem Lied der Ärzte im Kopf: 'Es ist nicht deine Schuld, wie die Welt ist, aber es ist deine Schuld, wenn sie so bleibt'. Ich hatte das Glück, in eine vermögende Familie geboren zu werden. Nun möchte ich die Gestaltungsmöglichkeiten, die ich habe, nutzen."

Deshalb engagiert sich die Deutsche wie auch Engelhorn in dem Verein "TaxMeNow", einem Zusammenschluss vermögender Menschen in der DACH-Region, die von einer Umverteilung finanzieller Mittel überzeugt sind.

Ihr wichtigstes Ziel ist die Wiederaufnahme der Vermögenssteuer, die in Deutschland 1996 ausgesetzt wurde und seither – wohl dank massiver Lobbyarbeit der Reichen – seither von keiner Regierung trotz Überarbeitungsauftrag durch das Bundesverfassungsgericht wieder unter dem Tisch hervorgekehrt wurde.

"Wir wollen, dass die Ausnahmen der Erbschafts- und Schenkungssteuer zurückgenommen werden. Diese gehören weitgehend abgeschafft, denn sie befördern die Vermögenskonzentration", kritisiert Bremer. "Wenn ich drei Wohnungen erbe, fällt darauf ganz normal Erbschaftssteuer an. Bekomme ich 300 Wohnungen vererbt, gilt das vor dem Finanzamt fast automatisch als Betriebseigentum, das von der Erbschaftssteuer weitestgehend befreit ist. Ähnliche Ausnahmen gibt es zahlreiche. Das ist nicht im Sinne des Gemeinwohls!"

Auch bei der Einkommenssteuer sieht sie dringenden Handlungsbedarf: "Wer Einkommen aus Arbeit erwirtschaftet, zahlt deutlich mehr Steuern als jemand, der Geld aus Kapitalanlagen erwirtschaftet. Das kann nicht sein." 

Ihre Ansage an die Politik: "Lasst mich endlich meinen gerechten Anteil an Steuern zahlen."

Die "Einser-Frage", weshalb sie nicht ihr eigenes Geld einfach spende, als die Politik zum Handeln bringen zu wollen, beantwortet sie so: "Ich finde das schwierig, denn wenn ich spende, sind die Menschen in meiner Umgebung davon abhängig, dass ich versuche, Ihnen zu helfen. Anders ausgedrückt, die anderen 99,9 Prozent haben Pech. Ist das demokratisch? Und wer bin ich, dass ich festlege, was die Menschen in Deutschland brauchen?" Da sei eben der Staat in der Pflicht.

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