Nach Flucht nach Wien 10 Millionen Euro ergaunert?

Ein Leben in Saus und Braus führte ein syrischer Flüchtling in Wien – finanziert laut Anklage durch groß angelegten Betrug an reichen Saudis. Insgesamt geht es beim Prozess um einen Schaden von über 10 Millionen Euro.

Mohammad S. kam 2012 als Flüchtling nach Österreich und erhielt Asyl, doch die finanzielle Situation des 36-jährigen Syrers war düster. Gemeinsam mit dem syrischstämmigen Deutschen Robert H. (40) soll er in den nächsten Jahren ein komplexes System aufgezogen haben, um reiche Saudis um ihr Vermögen zu bringen. Das Luxusleben endete mit seiner Festnahme, am Dienstag musste er sich mit seinem Komplizen vor das Wiener Landesgericht verantworten.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft legt den beiden Männern in der 33-seitigen Anklageschrift schweren gewerbsmäßigen Betrug zur Last. Mohammad S. (39), vertreten vom Wiener Top-Anwalt Philipp Wolm, wird von seinem mutmaßlichen Komplizen H. schwer belastet.

Asylverfahren, Mindestsicherung, Autos

Es begann im Jahr 2014, als das Duo an den Asylwerber Mohammad C. geriet. Dieser war gemeinsam mit seiner Familie nach Österreich gekommen und wollte ein schnelles Asylverfahren. Der Erstangeklagte S. war zur Stelle, gab sich als Flüchtlingshelfer aus und entlockte dem Mann 6.000 Euro, um das Prozedere im Bundesamt für Asylwesen zu "beschleunigen".

Danach "half" S. dem Asylwerber auch noch aus, als dieser kein Konto besaß, um die Mindestsicherung zu beziehen. Der Syrer ließ sich laut Anklage 8.000 Euro vom Staat auf sein eigenes Konto überweisen, gab aber nur 1.500 Euro weiter. Das Konto sei im Minus, die Bank habe den Rest "geschluckt", erzählte er dem Opfer.

Seine Ersparnisse in Höhe von 110.000 Euro verlor Mohammad C. allerdings, als die Angeklagten ihn überzeugten, günstige Smartphones und Energydrinks in Deutschland zu kaufen, um sie gewinnbringend weiterzuverkaufen. Die Ware existierte nie, das Geld wurde verprasst.

Betrogene Saudis

Richtig lukrativ wurde es erst später. Durch seinen Job als Mietwagenfahrer geriet S. schließlich im Jahr 2016 an die wohlhabende Familie A. aus Saudi-Arabien. Er gab sich als erfolgreicher Immobilien-Unternehmer aus hob gleich einmal 400.000 Euro für angebliche Investments ein. In den nächsten Monaten fälschte das Duo Mietverträge, erfand Liegenschaften und kassierte "Kautionsbeträge" von den Saudis. Der Schaden beläuft sich laut Anklage auf insgesamt 1,3 Millionen Euro.

Anfang 2017 lernte Mohammad S. auch den saudi-arabischen Juwelenhändler Anas A. kennen, einen Freund der Familie A. Auch dieser wollte in Immobilien investieren und bezahlte Kautionen für Immobilien, die gar nicht existierten. Ihm wurden sogar Pläne für den Bau eines Towers in der Seestadt (Donaustadt) versprochen. Das Duo platzierte gefälschte Werbeplakate für das Projekt in der Öffentlichkeit und führte den Saudi bei einer Wien-Visite daran vorbei. Mit unterschiedlichen Tricks wurde dieser zu Zahlungen von rund 7,5 Millionen Euro gebracht.

Kreative Täuschung

Um die Opfer von den Geschäften zu überzeugen, gingen Mohammad S. und Robert H. durchaus kreativ vor. Wenn ihre reichen Opfer nach Wien kamen, zeigte S. ihnen leerstehende Gebäude und gab sie als Eigentum aus, präsentierte falsche Firmenschilder und gab H. als "Dolmetscher" aus, der den Opfern bei Anwaltsterminen falsche Übersetzungen lieferte.

Mit dem Geld soll sich Mohammad S. laut Staatsanwaltschaft ein Luxusleben finanziert haben, Robert H. erhielt 180.000 Euro Gehalt und Business-Class-Flüge. S. ließ sich indes Früchte einfliegen, besaß mehrere Autos, kaufte Wohnungen und Liegenschaften in Österreich und im Ausland. Außerdem parkte er 500.000 US-Dollar bei einer türkischen Bank, um dort im Bedarfsfall die Staatsbürgerschaft für sich, seine Ehefrau und drei Kinder zu beantragen. Er gönnte sich zudem eine luxuriös renovierte Wohnung im 5. Wiener Gemeindebezirk, wo er letztlich auch festgenommen wurde.

Falsche Festnahme, echter Polizist

Bereits zuvor war er einmal von einem Polizisten festgenommen worden, doch dabei handelte es sich um eine Finte. Um möglichen Forderungen der Opfer zu entgehen, soll das Duo einem Wiener Polizisten 27.000 Euro bezahlt haben, um eine Festnahme zu inszenieren. Mohammad S. ließ sich also im Mai 2018 von einem Beamten wegen illegalen Waffenhandels und Terrorfinanzierung "verhaften" – vor den Augen eines Mitglieds der Familie A. und des Huwelenhändlers Anas A. Diese wurden sogar als Zeugen in einer Polizeidienststelle in Floridsdorf "einvernommen".

Robert H. legte nach und präsentierte den verblüfften Opfern einen zuvor eigens gedrehten "Nachrichtenbeitrag", der eine Hausdurchsuchung bei Mohammad S. belegen sollte. Unterlagen seien beschlagnahmt worden, die Konten eingefroren. Sie sollten so schnell wie möglich ausreisen und alle Beweise vernichten, um nicht selbst ins Visier der Justiz zu geraten. Ein paar Tage später wurden die Betrugsopfer misstrauisch und gingen zur Polizei.

Für die Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung, ein Urteil wird am Freitag erwartet.

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