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Minister plötzlich gestorben: Steckt Russland dahinter?

Der "plötzliche Tod" des belarussischen Außenministers Wladimir Makei wirft Fragen auf. Eine Beteiligung Russlands an Makeis Tod scheint naheliegend.
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28.11.2022, 12:15
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Am Samstag vermeldete die staatliche Nachrichtenagentur von Belarus den "plötzlichen Tod" des 64-jährigen Außenministers Wladimir Makei. Über die genauen Umstände ist nichts bekannt. Makei hatte sich vor den Massenprotesten 2020 für eine Verbesserung der Beziehungen seines Landes zum Westen eingesetzt und Russland kritisiert. Sein unerwarteter Tod zum jetzigen Zeitpunkt wirft viele Fragen auf. 

Umstände nicht bekannt

"Wir wissen zum aktuellen Zeitpunkt so gut wie nichts über die Umstände seines Todes. Eine Beteiligung Russlands ist allerdings naheliegend. Makei war seit über zwanzig Jahren ein enger Vertrauter Lukaschenkos, entscheidend an der teilweisen Annäherung Belarus’ an den Westen beteiligt und inoffiziell ein Gegner einer direkten Beteiligung am Krieg in der Ukraine", erklärt Alexander Dubowy, Politikanalyst mit Fokus auf Osteuropa und Russland, gegenüber "20 Min".

Er vermutet, dass Moskau etwas mit dem Tod des Politiker zu tun haben könnte: "Auch wenn wir keine Beweise haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch. Russland will, dass Belarus den Unionsstaat mit Russland vertieft, was de facto die Aufgabe der Souveränität bedeuten würde. Und dass Belarus in die Ukraine einmarschiert. Diesen Zielen ist Moskau mit dem Tod Makeis nähergekommen, weil er sich als einflussreicher Berater Lukaschenkos gegen beides gewehrt hatte. Auch führte Makei die inoffiziellen Verhandlungen mit dem Westen. Sein Tod schwächt Alexander Lukaschenko, stärkt Russlands Einfluss auf Belarus und ist eine reale Gefahr für die belarussische Unabhängigkeit."

"Belarus ist für Putin viel wichtiger, als die Ukraine es je sein könnte"

Weiters meint der Experte: "Russland will Belarus wenn nötig mit Gewalt in der eigenen Einflusssphäre behalten. Belarus ist für Putin viel wichtiger, als die Ukraine es je sein könnte. Wenn wirklich Moskau für seinen Tod verantwortlich ist, ist das eine klare Warnung an Lukaschenko, dass sowohl seine zurückhaltende Position als auch seine Person nicht mehr geduldet wird."

Und wie reagiert Lukaschenko? "Ich gehe nicht davon aus, dass Lukaschenko Moskau offiziell beschuldigen wird. Er hat aber kaum Handlungsoptionen, da sein Land komplett von Russland abhängig ist. Seit dem 24. Februar 2022 wird die Ukraine von Belarus aus beschossen. Völkerrechtlich würde es somit kaum einen Unterschied machen, wenn Belarus in die Ukraine einmarschieren würde. Denn Belarus ist längst Kriegspartei. Machtpolitisch und militärisch hätte ein offizieller Kriegseintritt der belarussischen Streitkräfte einen großen Einfluss", so Dubowy.

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