Dutzende Augenzeugen sahen in Steyr von der Ennsbrücke aus mit an, wie eine 66-jährige Pensionistin in ihrem Mopedauto in die Enns stürzte - und hilflos ertrank! Zwei Passanten bewiesen Zivilcourage, sprangen beherzt nach. Ihr selbstloser Einsatz blieb aber leider erfolglos. Allerdings: Die Polizei will sie jetzt belohnen.
Das folgenschwere Unglück passierte Dienstag gegen 11 Uhr Vormittag am Steyrer Ennskai: Romana P. (66) parkte ihr Mopedauto zu flott rückwärts ein und rollte mit dem Fahrzeug eine Böschung hinab in die Enns. Eine Steyrerin lief dem Auto hinterher und versuchte es festzuhalten. Die Strömung war nach den Regenfällen der vergangenen Tage allerdings zu stark. Das Mopedauto wurde mitsamt der verzweifelt um Hilfe schreienden 66-Jährigen immer weiter abgetrieben.
In der Zwischenzeit war der Architekt Manuel B. (33) auf das Geschehen aufmerksam geworden. Ohne zu zögern sprang er in die 12 Grad kalte Enns. In dieser Situation hätte mich niemand zurückhalten können, berichtet der Mann aus St. Ulrich bei Steyr, für mich war klar, dass ich helfen muss! Zurück am Ufer blieb die Ehefrau des mutigen 33-Jährigen, die um das Leben ihres Mannes zittern musste. Die beiden hatten sich erst am Wochenende das Jawort gegeben, heute beginnen ihre Flitterwochen in Italien.
Der Einsatz war nicht ungefährlich, bestätigt der Steyrer Polizeijurist Günter Tischlinger. Nicht nur, dass die Strömung stark und das Wasser kalt war - man weiß auch nie, wie Ertrinkende reagieren. Immer wieder höre man davon, dass letztendlich auch die Retter mit in die Tiefe gezogen werden.
Im aktuellen Fall in Steyr dürfte sich die Pensionistin vermutlich in Panik am Lenkrad festgekrallt haben. Der 33-Jährige konnte die Frau deshalb nicht aus dem Fahrzeug befreien, musste sie hilflos ertrinken lassen. Auch wenn mein Versuch zu helfen misslang: Ich würde es jederzeit wieder versuchen, so der Jungvermählte, ich war schon als Zivildiener mehrmals mit dem Tod konfrontiert. Dieser Einsatz war keineswegs selbstverständlich, erklärt Polizeidirektor Johann Steininger, diese Zivilcourage muss belohnt werden.Gerald Winterleitner