Wien

Missbrauch: Jetzt sprechen Kinderschutz-Organisationen

Ein Pädagoge soll sich an seinen Schützlingen vergangen haben, der Fall wurde vertuscht. Organisationen fordern nun Standards für den Kinderschutz.

Yvonne Mresch
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Der Kindergarten in Wien-Penzing.
Der Kindergarten in Wien-Penzing.
Sabine Hertel

Vor 13 Monaten soll ein Mitarbeiter eines städtischen Kindergartens in Penzing Kinder missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft wurde eingesetzt, der Mann suspendiert. Informationen über die mutmaßlichen Vorfälle erhielten die Eltern erst kürzlich – sie sollen über ein Jahr lang vertuscht worden sein.

Neues Konzept soll Mitarbeitern Handlungssicherheit geben

Nun melden sich die Kinderschutzorganisationen in einer gemeinsamen Aussendung zu Wort und fordern Standards zum Schutz der Kinder. Denn überall dort, wo Erwachsene mit Kindern zusammenleben oder arbeiten, könnten Übergriffe und Gewalt passieren – etwa im nahen Umfeld der Kinder sowie in Organisationen und Institutionen, in denen Kinder untergebracht sind oder unterrichtet werden. 

Um das Risiko derartiger Vorfälle künftig zu minimieren, brauche es ein umfassendes Kinderschutzkonzept, fordern die Österreichischen Kinderschutzzentren und Epcat Österreich (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung). Ein solches Konzept würde den Mitarbeitern Handlungssicherheit geben und damit auch die Organisation schützen. Weiters plädieren die Organisationen für ein sexualpädagogisches Konzept, das Pädagogen Wissen über kindliche Sexualität vermittelt und einen "souveränen Umgang mit der Thematik" ermöglicht – aber auch Kinder stärkt, ihre eigenen Grenzen zu achten und sich rechtzeitig Hilfe zu holen. 

So sollen Kinder geschützt werden

"Kinderschutzkonzepte fußen auf einer umfassenden Risikoanalyse und präventiven Maßnahmen im Personalwesen, wie Einstellungskriterien, einem erweiterten Strafregisterauszug sowie einem Verhaltenskodex, dem alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrer Unterschrift zustimmen. Sie umfassen auch das gesamte Beschwerdewesen und Maßnahmen die interne und externe Kommunikation betreffend und regeln das Vorgehen bei Verdacht auf Gewalt", führt Astrid Winkler, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich aus. 

Martina Wolf, Geschäftsführerin im Bundesverband Österreichischer Kinderschutzzentren, spricht von einem detaillierten, geplanten und überlegten Vorgehen in Verdachtsfällen: "Dazu zählt, dass Mitarbeitende zwischen Grenzverletzung und Gewalt unterscheiden können, wissen, an wen sie sich bei einem 'internen Verdacht' wenden können, wer worüber zu informieren ist und welche Schritte der Reihe nach zu setzen sind." 

Hilfe von außen

Ein Notfalls- oder Krisenplan zeige auch klar, in welchen Situationen es Unterstützung von außen, etwa durch eine Opferschutzorganisation brauche. Ziel sei es, das betroffene Kind und etwaige mitbetroffene Kinder immer im Blick zu behalten und die Organisation zu einem sicheren Ort für Kinder zu machen, so Wolf. Zudem sollen Kinderschutzverantwortliche in einer Organisation ernannt werden. Sie wären dann erste Ansprechpersonen in einem Verdachtsfall. "Mit dem Regierungsabkommen der Wiener Stadtregierung von 2020, in dem der Ausbau von Kinderschutzkonzepten/Kinderschutzrichtlinien für den Elementarbereich festgeschrieben ist, ist die Stadt Wien grundsätzlich auf dem richtigen Weg – nun sollte zügig ein verpflichtender Standard daraus werden", sagt Winkler. 

Online-Plattform bietet Erklärvideos und E-Learning-Tools

Über zwei Jahre lang haben Organisationen im Rahmen des EU-Projektes "Safe Places" zahlreiche Gespräche mit politisch Verantwortlichen geführt, um Bewusstsein für die Notwendigkeit von Kinderschutzkonzepten zu schaffen. Organisationen wurden geschult und in der Entwicklung von Kinderschutzkonzepten begleitet. Auf der Online-Plattform www.schutzkonzepte.at sind die ersten Organisationen aus Österreich gelistet, die über ein umfassendes Kinderschutzkonzept verfügen. Weiters sind auf der Website Informationen, Erklärvideos, ein Tutorial und ein E-Learning-Tool zu finden, um Konzepte auszuarbeiten.

Im mutmaßlichen Missbrauchsfall in Wien-Penzing reagiert nun die Stadt: Eine Kommission soll den Fall prüfen und mögliche Fehler aufklären. Anfang Juli soll ein Untersuchungsbericht präsentiert werden – wir berichteten.

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