Mist illegal in Ungarn: Kein Müll zum Heizen

In der Verbrennungsanlage in Dürnrohr (Bezirk Tulln) fehlen 150.000 Tonnen Abfall, Öfen bleiben teils kalt. EVN-Boss Franz Mittermayer vermutet ungesetzliche Praktiken und fordert verschärfte Polizeikontrollen.

500.000 Tonnen Mist könnte die Verbrennungsanlage der EVN in Dürnrohr (Foto) verheizen. Könnte. Denn de facto bleiben einige der Müllöfen im Bezirk Tulln derzeit kalt. Franz Mittermayer, Geschäftsführer der EVN-Abfallwirtschaft zu „Heute“: „Uns fehlen allein in Niederösterreich 150.000 Tonnen Müll, in ganz Österreich eine halbe Million Tonnen.“

Entsorger nutzen EU-Exportgesetze aus!

Den Grund dafür glaubt der Boss des heimischen Energieversorgers ganz genau zu kennen: „Der Mist landet jetzt in unseren östlichen Nachbarländern.“ Hintergrund: Die Entsorgung einer Tonne Müll kostet dort zehn bis 15 Euro, bei uns hingegen zwischen 100 und 130 Euro. Dass diese Preisdifferenz erst jetzt zum Problem wird, liegt an den laut Mittermeier „lockeren“ Exportbestimmungen der EU, die (wegen des Beitritts) jetzt auch für Ungarn gelten und die so mancher Entsorger schamlos ausnutzt. Mittermayer:

„Der Mist wird falsch deklariert und über die Grenze geschmuggelt, landet dort auf illegalen Billigdeponien.“ Den schwarzen Peter sieht der EVN-Boss aber nicht in Brüssel, sondern bei den heimischen Behörden: Es werde viel zu wenig und wenn, dann „unzureichend“ kontrolliert. Ein Polizist könne nämlich nicht erkennen, was für eine Art von Müll ein Transport-Lkw geladen habe. Mittermayers Vorschlag: „Die Polizei soll Mistexperten mitnehmen!“

Lisa Steiner

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