In der berüchtigten Herbertstraße auf St. Pauli ist Manuela Freitag seit fast vier Jahrzehnten als Domina tätig. Die gebürtige Bremerin gilt als die älteste Sexarbeiterin der bekannten Hamburger Straße - und will trotz ihres Alters von über 60 Jahren noch weitermachen.
Mit ihrem Buch "Herbertstraße: Kein Roman" wurde sie 2021 zur Spiegel-Bestsellerautorin. Das ZDF verfilmte ihre Geschichte 2025 sogar als Dreiteiler. Bei der Personality-Show "Kiezlife Live" in der Kultkneipe "Zur Ritze" sprach sie nun vor ausverkauftem Haus über ihr bewegtes Leben.
"Vielleicht spricht es ja auch ein bisschen für mich, dass ich so lange durchgehalten habe. Ich habe viel erlebt und kann sagen: Ich bin noch da", betonte Freitag nach Angaben von TAG24. Trotz ihrer Bekanntheit kämpft sie weiter für mehr Anerkennung ihrer Berufsgruppe: "Es heißt immer, die Prostitution sei mittlerweile anerkannt. Aber ich glaube, dass da noch viel missachtet wird. Wir werden viel missachtet."
Nach fast 40 Jahren im Milieu beobachtet Freitag große Veränderungen auf St. Pauli. "Das ganze Flair, der früher da war, ist nicht mehr vorhanden", erklärt sie. Früher seien die Gäste in Gaststätten eingekehrt. Heute würden viele ihren eigenen Alkohol mitbringen und den Kiez vor allem als Feiermeile betrachten. Auch die Kundschaft in der Herbertstraße sei nach einem kurzen Aufschwung nach Corona wieder zurückgegangen.
Das Älterwerden macht der über 60-Jährigen zu schaffen. "Das ist ein Hardcore-Thema für mich: Alles lässt nach. Die Figur bekommt mehr Kurven. Es geht halt nicht mehr so wie früher", gibt sie zu. Hinzu kämen alltägliche Beschwerden: "Mal tut das Bein weh, mal der Arm oder der Rücken. Irgendwas zwickt immer!"
Trotzdem will Freitag vorerst weitermachen - solange es sich finanziell lohnt und körperlich machbar ist. Für die Zeit danach hat sie bereits einen Plan: "Ich will auf jeden Fall noch ein zweites Buch schreiben."