Mit Bier und ohne Hijab: TV-Star vor Karriere-Aus?

Bier und ein unbedecktes Haupt bei einem Ferienaufenthalt in der Schweiz sorgen im Iran für großen Ärger: Heuchlerisch sei das, so die Fans.

Azadeh Namdari, Star-Moderatorin im iranischen Staatsfernsehen, weilt derzeit mit ihrer Familie in den Ferien in der Schweiz. Fotos zeigen die TV-Dame, wie sie in einem Genfer Park unverhüllt Bier trinkt. Im Iran ist beides verboten, sowohl der Konsum von Alkohol als auch das unverschleierte Auftreten in der Öffentlichkeit.

Die Aufnahmen aus Genf haben im Iran riesigen Unmut geweckt. Vom Strenggläubigen bis zum Menschenrechtsaktivisten – sie alle regen sich darüber auf, dass die bekannte Moderatorin so offensichtlich Wasser predigt und Bier trinkt.

"Ich bin stolz, eine Chadori zu sein!"

Namdari hat sich als Moderatorin im ganzen Land einen Namen gemacht, weil sie den islamisch-konservativen Kleidungsstil verteidigt und Frauen dazu aufruft, sich an die herrschenden Kleidervorschriften zu halten.

Ihre Haltung machte sie 2014 auch in einem Interview deutlich: "Ich bin stolz, eine Chadori zu sein!" Der Chador, ein dunkles Tuch, das den ganzen Körper bedeckt, aber das Gesicht frei lässt, habe sie "hübscher gemacht", sie fühle sich durch ihn "sicher und respektiert".

Erklärung machte alles noch schlimmer

Die entlarvenden Ferienfotos lösten einen Shitstorm aus: "Scheinheilig" sei Namdari, so der Tenor in den sozialen Medien. Der Skandal kam so richtig in Fahrt, als Namdari sich entschuldigte und zu erklären versuchte: In einem zweiminütigen Video beteuert sie, ihr Kopftuch sei ihr just in dem Moment zu Boden geglitten, als die Fotos geschossen worden seien. Und da sie sich im Kreise ihrer Familie und nicht in der Öffentlichkeit aufgehalten habe, habe sie keinen Hijab tragen müssen. Ihren Alkoholkonsum ließ sie unerwähnt.

Besänftigen konnte sie damit nicht: 90.000 Personen schauten sich ein am Montag hochgeladenes Youtube-Video an, das die Fotos aus Genf zusammenstellt. Über zehntausend Twitter-User kommentieren den Skandal unter dem Hashtag #azadeh_namdari. Auch auf Facebook wird diskutiert. "Namdari ist das perfekte Symbol der Islamischen Republik, jener Republik der Scheinheiligkeit, wo Beamte den USA öffentlich den Tod wünschen, während sie ihre Kinder zum Studieren dorthin schicken", schreibt ein Nutzer.

"Ich gehe davon aus, dass sie nicht zurückkehren wird"

Vor dem Hintergrund, dass das Befolgen der herrschenden Kleidervorschriften im Iran stark durch die staatlichen Medien propagiert wird, brachte sich auch die iranische Frauenrechtsaktivistin Asien Amini ein: "Der Hijab ist keine private Angelegenheit, sondern eine politische und soziale." Namdari missbrauche ihre Position im staatlichen Fernsehen, "um eine Lüge zu verbreiten".

"Diese Geschichte bewegt das ganze Land", sagt ein iranischer Journalist gegenüber der Schweizer Zeitung "20 Minuten". "Namdari ist ihren Job beim staatlichen TV los. Ayatollah Ali Chamenei, Irans höchster Geistlicher, will ihr öffentliche Auftritte untersagen. Medien, die ihr Foto drucken, sollen bestraft werden." Die Geschichte bedeute wohl das Karriere-Ende der Star-Moderatorin. "Ich gehe sogar davon aus, dass sie nicht wieder in den Iran zurückkehren wird."

Namdari postete ein Foto von sich vor der UN in Genf, ...

... bevor diese Bilder einen Skandal lostraten:

(gux)

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