Gesundheit

Mit diesen Lockdown-Regeln bekämpfte man die Pest

Nicht zum ersten Mal wird die Erde von einer Pandemie heimgesucht. Vor 432 Jahren wählte man ähnliche Maßnahmen, wie eine alte Arzt-Broschüre zeigt.

Heute Redaktion
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Darstellung des Pestausbruchs in Wien.
Darstellung des Pestausbruchs in Wien.
Scherl / SZ-Photo / picturedesk.com

Machen Abstand halten, Quarantäne, Ausgehverbot und regelmäßig Lüften wirklich Sinn? Wenn man ein wenig in die Geschichte zurückblickt, ja. Das zeigt jetzt ein 432 Jahre altes Handbuch eines italienischen Arztes. Er beschreibt darin detaillierte Regeln, wie die Ausbreitung der Pest vermieden werden soll. Viele der Maßnahmen ähneln den aktuellen Corona-Maßnahmen.

Lockdown in der Renaissance

Mit der Broschüre stellte der italienische Arzt Quinto Tiberio Angelerio im 16. Jahrhundert für die vom "Schwarzen Tod" heimgesuchten sardischen Stadt Alghero insgesamt 57 Regeln auf. So wurden schon damals die Patienten unter Quarantäne gestellt und das Städtchen von der Außenwelt abgeschottet. Genauer gesagt sollte eine dreifache Absperrung um die Stadtmauern den Handel mit der rechtlichen Welt verhindern, wie "BBC" schreibt.

Versammlungen wurden verboten und nur noch eine Person pro Haushalt durfte das Haus verlassen, um Einkäufe zu erledigen. Zudem mussten sie draußen einen fast zwei Meter langen Stock mit sich tragen, um Abstand zu ihren Mitmenschen zu wahren. An den Theken von Lebensmittelgeschäften wurden Geländer eingebaut, damit sich Kunden auch beim Einkaufen nicht zu nahe kamen. Eine Gefahr sah Angelerio auch im Händeschütteln: Er rief die Menschen zur Vorsicht beim Friedensgruß während des Gottesdienstes auf.

Außerdem stellten Wachen sicher, dass Kranke und Kontaktpersonen nicht das Haus verließen. Zudem sollte ein rotes Kreuz an der Tür die Mitmenschen vor den verseuchten Häusern warnen. Infizierte sollten auf abgelegenen Krankenstationen isoliert werden.

Parfum als Schutz vor der Seuche

Eine weitere Vorschrift wies Hausbesitzer dazu an, ihre Wohnräume sauber zu halten. So sollten sie regelmäßig lüften, billige Einrichtung verbrennen und teure Möbel waschen, an die frische Luft setzen oder im Ofen desinfizieren. Bemerkten die Bürger, dass sich ihre Nachbarn nicht an die Regeln hielten, sollten sie es melden. Dafür wurden sie sogar bezahlt.

"Schlechte Luft" galt in dieser Zeit als Infektionsüberträger. Um sie zu reinigen, sollten unter anderem Glocken geläutet und Kanonenkugeln abgefeuert werden. Auch das Auftragen von Parfüms wird in dem Handbuch als geeignetes Schutzmittel beschrieben.

Im 14. Jahrhundert hatte der "Schwarze Tod" rund 50 Millionen Menschenleben rund um den Globus gefordert. 1582 hatte ein Seemann die Pest nach Alghero auf Sardinien gebracht.