Mit gestohlenen Bussen Linienverkehr aufgezogen

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Ein Serbe soll in seiner Heimat mit gestohlenen Autobussen einen Linienverkehr aufgezogen haben. Am Mittwoch mussten sich vier mutmaßliche Komplizen im Wiener Landesgericht vor einem Schöffensenat (Vorsitz Nicole Baczak) verantworten, weil sie dem Organisator des illegalen Geschäfts bei der Beschaffung der Busse in Österreich und Deutschland geholfen haben sollen.

Die ursprünglich nicht schuldige Verantwortung bröckelte in einer getrennten Einvernahme sehr schnell. Die Anklage legt den Beschuldigten mehrere Busdiebstähle durch Einbruch zur Last, die sie zwischen November 2012 und ihrer Festnahme an der ungarisch-rumänischen Grenze im März 2013 begangen haben sollen. Dass man die Gruppe aus dem Verkehr ziehen konnte, verdankten die Ermittler letztlich einem Zufall. Der Sohn eines Wiener Busbesitzers sah das gestohlene Fahrzeug seines Vaters auf der Autobahn in Niederösterreich und verständigte die Polizei.

Diese informierte ihre ungarischen Kollegen. Nahe der rumänischen Grenze wurde der Bus aus dem Verkehr gezogen. Der 43-jährige Erstangeklagte saß am Steuer, während der 27-jährige Zweitangeklagte als Zweitchauffeur agierte. Gleich dahinter folgte ein deutscher Bus, der ebenfalls stehen blieb, als die Ermittler auf den Plan traten. Das Fahrzeug war ebenfalls gestohlen, am Steuer der 52-jährige Drittangeklagte und der 30-jährige Viertangeklagte als Beifahrer.

"Bin da unwissend hineingekommen"  

Letzterer änderte vor Gericht sofort seine ursprünglich nicht geständige Verantwortung, nachdem die Vorsitzende Baczak die mutmaßlichen Komplizen hinausgebeten hatte. "Teilweise schuldig. Ich bin da unwissend in das Ganze hineingekommen", sagte er auf Nachfrage der Richterin. Der studierte Techniker, der aber als Kellner in Serbien arbeitete, gab an, dass ihn der mutmaßliche Organisator des illegalen Geschäfts gefragt habe, ob er als Ersatzchauffeur arbeiten wolle. Die Begründung habe gelautet, das werde in Europa so verlangt. Ob er Busse und Lkw lenken könne, wollte Baczak wissen. "Nein, ich habe keinen Führerschein. Ich kann nicht fahren", beschied ihr der 30-Jährige. "Mir wurde gesagt, dass ich nur danebensitzen muss."

Mit dem mutmaßlichen Drahtzieher habe er sich wenige Tage vor der Festnahme mehrere Busse in Wien angesehen. An einem Abend kurz danach habe er mit einem Kompagnon in Wien gewartet, bis der Erstangeklagte mit einem Autobus eingetroffen sei. "Ich habe aber nicht gewusst, dass der gestohlen ist", meinte der Beschuldigte. Dass das Fahrzeug mazedonische Kennzeichen hatte, sei ihm erst am darauffolgenden Tag in Tatabanya aufgefallen. Unklar war, ob der Prozess noch am Mittwoch beendet werden konnte. Das hing nicht zuletzt vom Verhalten der anderen Angeklagten ab. Ebenso fraglich war, ob alle geladenen Zeugen erscheinen würden bzw. ob deren Befragung überhaupt notwendig war.

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