"Die Arme hoch, nach oben ziehen", erklärt Eduard. Margot führt die Anweisungen flott aus. "Manchmal ist es schon schwer für mich mitzuhalten", lacht der Trainer.
Eduard ist Gesundheitsbuddy beim Wiener Hilfswerk. Freiwillige über 50 trainieren gemeinsam mit älteren Personen. Das Ziel: Stürzen vorbeugen und die Beweglichkeit und damit auch die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Denn etwa 33.000 Wiener über 65 sind gebrechlich. Damit steigt das Risiko des Verlusts der Selbstständigkeit und die vermehrte Aufnahme in Krankenhäuser oder Pflegeheime.
Nach einem Programm der Medizinischen Universität Wien werden die Freiwilligen an vier Abenden geschult und geben dieses Wissen und die vorgegebenen Übungen dann weiter. "Ich musste damals mein technisches Büro stilllegen und wollte die Zeit sinnvoll nutzen", erinnert sich Eduard an seinen Start beim Hilfswerk. "Eigentlich habe ich mehrere freiwillige Engagements, darunter auch den Gesundheitsbuddy. Ich habe immer gerne Sport gemacht und bleibe selbst fit." Trainiert werden etwa Beweglichkeit und Kraft. Eines muss es vor allem machen, da sind sich beide einig: Spaß!
Auch Margot war ihr Leben lang sehr sportlich, erzählt sie: "Zum einen war ich Kosmetikerin und ständig auf den Beinen. Aber ich habe auch geturnt, getanzt und bin in letzter Zeit viel geschwommen. Jetzt kann ich das nicht mehr so oft machen, weil die Jugend die Bahnen braucht. Aber es ist wichtig, im Alter etwas zu tun." Die gebürtige Schweizerin, die seit zehn Jahren in Wien lebt, ist mittlerweile mit dem Rollator unterwegs, ein Bandscheibenvorfall setzte ihr zu. Aber: "Nach dem Training geht es mir besser", strahlt sie.
Mittlerweile ist zwischen den beiden eine echte Freundschaft entstanden: "Wir haben viel gemeinsam, ticken gleich. Es wird viel geplaudert und wir gehen auch oft in klassische Konzerte. Sie ist so sympathisch und offen", strahlt Eduard. Margot gibt das Kompliment zurück: "Ich schätze seine Freundlichkeit und den Willen. Ich bin froh, dass wir das gemeinsam machen."
106 Paare werden derzeit für das Projekt gesucht. Zielgruppe sind Menschen ab 60 Jahren, die in einer Wohnung oder einem Haus leben (nicht im Pensionistenheim). Besonders willkommen sind jene Personen, die durch die Pandemie unter Einsamkeit und sozialer Isolation leiden oder sich kostenpflichtige Angebote nicht leisten können.
Wer Buddy werden möchte, sollte über 50 Jahre alt und bereit sein, an den Schulungen zu Beginn teilzunehmen. Interesse an Bewegung und Einfühlungsvermögen werden natürlich vorausgesetzt. Vorab gibt es Hausbesuche und Gespräche mit allen Beteiligten, dann wird "gematcht", wobei Kriterien wie der Bezirk, Haustiere, etc. auch eine Rolle spielen. Dann gehts ans Training. Mehr Infos auf www.hilfswerk.at