Mit Schlägen zu Sex genötigt? Freispruch

Der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht.
Der Angeklagte am Mittwoch vor Gericht.Bild: Denise Auer
Eine Wienerin gab an, ihr Ex-Freund (30) hätte sie mit Prügel zum Sex genötigt, mit einem Messer bedroht und eingesperrt. Beweise gab es kaum.
Kevin K. (30, Name geändert) musste sich am Mittwoch wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten.

"Er hat mich geschlagen, bis ich Sterne sah", hatte ihm seine Ex-Freundin Isabella bei der Polizei vorgeworfen. Der Koch aus Ottakring habe die damals 16-Jährige 2008 "täglich" mit Gewalt zum Sex gezwungen. Einmal habe er ihr sogar ein Messer an den Rücken gehalten, weil sie nicht mit ihm schlafen wollte. Stundenlang soll Kevin sie im Badezimmer eingesperrt haben. Laut der Wienerin drohte ihr der Koch auch mit dem Umbringen, drückte angeblich ihren Oberkörper aus dem Fenster und hob ihre Beine an.

Starker Tobak, doch der Angeklagte stritt am Mittwoch alles ab. "Ich habe nichts davon getan", meinte er zur Richterin. "Der Sex war immer freiwillig." Er habe Isabella nie zu etwas genötigt.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Nur Vorwürfe, keine Beweise

Die Beweissuche gestaltete sich schwierig. Eine Freundin des Opfers sagte im Zeugenstand aus, sie habe nie Verletzungen gesehen, auch habe ihr Isabella nie etwas von einer Vergewaltigung oder von Schlägen erzählt. Das Mädchen sei aber plötzlich "verschlossen" gewesen.

Der Fall war aufgekommen, nachdem Isabella ihren Ex-Chef und auch ihren Stiefvater wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt hatte. Dabei erzählte sie den Ermittlern von der angeblichen Vergewaltigung durch Ex-Freund Kevin. Die Polizei leitete das Strafverfahren ein. Die Mutter des Opfers sagte aus, ihre Tochter habe ihr alles gleich nach dem Ende der Beziehung erzählt. Während der Beziehung sei aber auch ihr nie etwas beunruhigendes aufgefallen.

"Unglaubwürdige Aussage"

Weil Beweise fehlten und der Angeklagte noch nie mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, wurde Kevin K. freigesprochen. Das Opfer "hat nie etwas von den Schlägen erzählt, trotz ihrem guten Verhältnis zur Mutter. Das ist unglaubwürdig", begründete die Richterin den Spruch. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Kevin K. ging nach Hause.

(pet)

Nav-Account heute.at Time| Akt:
WienGerichtsberichterstattungWienGerichtProzess

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen