Mitarbeiter-Demo gegen Schließung des Haus Erdberg

Mit einer Demo vor dem Haus Erdberg protestierten Bewohner und Mitarbeiter gegen die Schließung der Flüchtlingseinrichtung. Der FSW rechtfertigt das.

Lautstark und mit diversen Plakaten, Transparenten und Schildern ausgestattet protestierten heute, Mittwoch, Mitarbeiter und Bewohner des "Haus Erdberg" in der Erdbergstraße 186-190 (Landstraße) gegen die bevorstehende Schließung der Flüchtlingsunterkunft. Von dem Heim zogen sie bis zu Zentrale des Fonds Soziales Wien (FSW) in die Guglgasse (Landstraße). Statt Einsparungen im Sozialbereich forderten die Demonstranten sichere Wohn-, und Lebensbedingungen für die Bewohner des Hauses und Anstellungszusagen der gekündigten Angestellten.

Diese stünden durch die Schließung im Juli plötzlich ohne Job, kritisieren die Veranstalter der Demo Initiative Sommerpaket und Wir sind sozial aber nicht blöd auf Facebook. Statt Kündigungen müsse es feste Anstellungsangebote für die Mitarbeiter geben. Auch für die 140 Bewohner sei das Aus eine "massive Belastung", da sie "inmitten der Pandemie" ihre Zimmer wechseln müssten. Bei vielen sei zudem noch völlig ungeklärt, wo sie künftig unterkommen, so die Kritik. 

FSW verteidigt Schließung mit gesunkenem Bedarf

Auf "Heute"-Rückfrage übermittelt der FSW eine schriftliche Stellungnahme, in dem auf den gesunkenen Bedarf hingewiesen wird. "2015 hat sich die Stadt Wien entschlossen, das Haus Erdberg zu übernehmen. Damals gab es österreichweit über 88.300 Asylanträge, 2020 waren es 14.800. 2015 hatten wir in Wien rund 25.870 Personen in der Grundversorgung, 2016 36.740 Personen. 2020 waren es rund 16.030 Personen. Anhand der Zahlen sieht man gut, dass die Anzahl der geflüchteten Menschen rapide abgenommen hat und dementsprechend auch der Bedarf an Einrichtungen zurückgegangen ist", wird erklärt. Dazu komme dass in Wien aktuell rund 76% der Personen in der Wiener Grundversorgung privat leben und nur 24% in organisierten Einrichtungen.

Zudem sei die Schließung schon seit längerem geplant: "Wir hatten/haben in Erdberg zwei Organisationen, die für die Unterbringung und Betreuung von geflüchteten Menschen zuständig waren: die Caritas Wien und Arbeiter Samariter Bund. Bereits im Februar 2020 gab es Gespräche zwischen dem FSW, Caritas und ASB zum Thema Kapazität und Schließung".

"Schließung wurde rechtzeitig kommuniziert" – FSW nicht für Kündigungen verantwortlich

Weshalb ein bestimmter Standort geschlossen wird, hänge von verschiedenen Faktoren wie auslaufenden (Miet-)Verträgen, Ausstattung und baulicher Substanz ab. Das Haus Erdberg sei aufgrund seiner Größe ein Standort, der seit längerem nicht mehr kostendeckend geführt werden könne. "Deshalb wurde die Schließung des Hauses mit den Trägern lange vorab kommuniziert und geplant, so auch in diesem Fall mit dem ASB", heißt es vom FSW. Jener Teil, der von der Caritas Wien betreut wurde, wurde bereits im Oktober 2020 geschlossen.

Nun stehe wie vereinbart die Schließung des ASB Teils im Sommer an. "Gerade für jene Bewohner, die bereits seit vielen Jahren dort leben, ist ein Wohnortwechsel eine große Veränderung. Deshalb steht das Beratungszentrum Grundversorgung für Gespräche zur Verfügung um die Wohnperspektive abzuklären und einen sicheren Wohnortwechsel zu ermöglichen. Bisher wurden rund 30 Bewohnern ein konkretes Platzangebot übermittelt, alle Plätze wurden angenommen. Bis Ende Juni erhalten alle Bewohner ein Angebot", versichert der FSW.

Samariterbund bestätigt Kündigungen, hilft aber bei Jobsuche

Für die Kündigung der Mitarbeiter sei man aber nicht verantwortlich, da diese nie beim FSW, sondern bei Samariterbund ASB angestellt gewesen seien. Dort bedauert man die Schließung und betont: "Wir haben natürlich für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Handlungsoptionen und Möglichkeiten aktiv aufgezeigt". Vier Mitarbeiter hätten bereits eine fixe Weiteranstellung beim Samariterbund Wien, zwei davon in der Wohnungslosenhilfe. Zwei weitere machen die bezahlte Ausbildung zum Rettungssanitäter und haben vonseiten des RKT (Rettungs- und Krankentransport) eine fixe Anstellungszusage erhalten.

"Wir haben des Weiteren interne Ausschreibungen an die Kolleginnen und Kollegen weitergeleitet, da gerade Essen auf Rädern sucht sowie Betreuerinnen und Betreuern und Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter im ASB gesucht werden". Die Mitarbeiter hätten eine längere Vorlaufzeit gehabt, da schon seit Anfang Februar klar gewesen sei, dass die Einrichtung geschlossen wird. "Seitdem haben wir auch Stellenausschreibungen von anderen Trägerorganisationen an das Erdberg-Team weitergeleitet. Insgesamt müssen wir uns leider von ingesamt 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern trennen, was wir sehr bedauern, weil viele von Anfang an mit dabei waren", heißt es beim ASB.

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