Die stärksten Verwerfungen auf den Energiemärkten seit Jahrzehnten haben beim nö. Energieversorger EVN im Geschäftshalbjahr auf die Ergebnisse gedrückt, die Jahresprognose wurde aber bekräftigt. Erhielte man vom Verbund-Konzern, bei dem man Strom-Großkunde ist, ebenfalls wie andere Abnehmer einen "Sonderrabatt", würde man den an die eigenen Kunden weitergeben, sagte EVN-Chef Stefan Szyszkowitz am Mittwoch vor Journalisten.
Damit spielte der EVN-Chef auf die seit Dienstag bekannten Details des Energiebonus-Pakets für Haushalts- und Gewerbekunden des Verbund an, von dem man als Großkunde nicht profitiert. Selbst müsse man 80 Prozent des Stroms zukaufen, meist vom Verbund, da der Eigenproduktionsanteil der EVN nur 20 Prozent beträgt, so Szyszkowitz. Bei Gas seien es sogar 100 Prozent, die von der OMV erworben würden. Diese Einkaufspreise müsse man als EVN den Kunden weitergeben.
Erhielte man aber einen Strom-Sonderrabatt, würde man auf die Energievertriebs-KG im Rahmen der EnergieAllianz einwirken, diesen den Kunden weiterzureichen. Er sei sehr für den neuen Treuebonus des Verbund, "aber wir sind auch ein langjähriger Kunde, das sollte mitberücksichtigt werden", so der EVN-Chef. EVN und Wiener Stadtwerke halten zusammen gut 25 Prozent am Verbund zu etwa gleichen Teilen, 51 Prozent die Republik Österreich - mehr dazu hier.
Vom Aktienkursrückgang, von dem wie der Verbund auch die EVN als Versorger in mehrheitlich öffentlichem Eigentum betroffen war, nachdem Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) Anfang Mai über eine Gewinnabschöpfung per Sondersteuer für Profiteure der hohen Strompreise nachgedacht hatte, hätten sich die EVN-Titel wieder erholt, erinnerte Szyszkowitz. Es gebe eine Reihe von Faktoren, warum ein Aktienkurs schwanke - binnen eines Tages hatte der Verbund Milliarden an Marktkapitalisierung eingebüßt, die EVN eine Viertel Milliarde Euro.
Die SPNÖ nahm jetzt auch zu den gedrückten Nettogewinnen im Geschäftshalbjahr 2021/22 Stellung. So wird SPNÖ-Energiesprecherin und Landtagsabgeordnete Kathrin Schindele in einer Aussendung wie folgt zitiert: „Unser Mitleid hält sich in Grenzen. Ein um ein Drittel gesunkenes Nettoergebnis von Oktober bis März 2021/22 ist bei der EVN immer noch ein Gewinn von 127 Millionen Euro. Als größter heimischer Energieversorger ist die EVN in jedem Fall gut beraten keine kurzsichtigen Handlungen zu setzen. Es darf zu keinen Erhöhungen für die NiederösterreicherInnen kommen. Die beklagten Verwerfungen auf den Märkten werden sich wie ein ruhiger Teich ausnehmen gegen die sozialen Verwerfungen, die eine Erhöhung der Strompreise anrichten können - in dieser ohnehin durch extreme Teuerungen schwer belasteten Gesellschaft!“
Geschmälerter Gewinn sei noch immer ein Gewinn auf Kosten der Niederösterreicher, so Landtagsabgeordneter Rene Pfister, Sozialsprecher der SPNÖ im Landtag, er mahnt: „Ein Kunde, der kein Geld zum Essen hat, kann auch keinen Strom mehr bezahlen! Solange Gewinne eingefahren werden, haben diese - gerade in Krisenzeiten - für die Grundversorgung der Menschen eingesetzt zu werden! An uns wird es nicht liegen. Die ÖVP NÖ jedoch hat wichtige Maßnahmen, wie die Verdoppelung des Heizkostenzuschusses und den blau-gelben Teuerungsausgleich schon mehrfach verhindert und ihre Mehrheit GEGEN die NiederösterreicherInnen ausgespielt. Der Bogen der Belastbarkeit der Bevölkerung ist bereits überspannt – es müssen endlich Taten folgen!“
Auf "Heute"-Anfrage wollte man seitens der EVN die Angriffe der SPNÖ nicht kommentieren und verwies auf die Ausführungen bei der Pressekonferenz vom Mittwoch.
Der EVN-Nettogewinn sank im Zeitraum Oktober bis März im Periodenvergleich um 27,6 Prozent auf 127,4 Mio. Euro, ein stärkerer Rückgang als nach dem Auftaktquartal. Dennoch bekräftigte man am Mittwoch die Jahresprognose von 200 bis 240 Mio. Euro für das Gesamtjahr (per 30.9.), aber mit der Anmerkung, dass "stärkere oder länger anhaltende Verwerfungen auf den Energiemärkten das erwartete Ergebnis negativ beeinflussen" könnten. Auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sackte diesmal kräftiger ab, nämlich um 21,6 Prozent auf 420,2 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) ging um 17,1 Prozent auf 211,0 Mio. Euro zurück.
Der Umsatz kletterte dagegen nun stärker, um 65,5 Prozent auf 2,127 Mrd. Euro; Grund waren u.a. deutliche Zuwächse im Energievertrieb in Südosteuropa und witterungsbedingte Mengeneffekte im Netz. Analog zum Umsatz nahm der Aufwand für Fremdstrombezug und Energieträger deutlich von 568,7 Mio. auf 1,314 Mrd. Euro zu. Dies resultierte vor allem aus höheren Energiebeschaffungskosten in Südosteuropa, dem höheren Primärenergieaufwand für das häufiger eingesetzte kalorische Kraftwerk Theiß in NÖ sowie aus höheren Beschaffungskosten der EVN Wärme.
Fremdleistungen und sonstiger Materialaufwand stiegen im internationalen Projektgeschäft um 20,6 Prozent auf 290,4 Mio. Euro, der Personalaufwand lag mit 179,4 Mio. um 1,4 Prozent höher. Der Personalstand stieg auf 7.147 (7.140).
Die Stromerzeugung der EVN lag im ersten Halbjahr 2021/22 mit 1.998 Gigawattstunden (GWh) um 3,9 Prozent unter dem Vorjahresvergleich. Davon entfielen 1.192 (1.112) GWh auf die erneuerbare Erzeugung. Der Erneuerbaren-Anteil lag bei 59,7 (53,5 Prozent). Ein hohes Windaufkommen kompensierte den Rückgang der Erzeugungsmengen aus Wasserkraft. Die thermische Stromerzeugung sank durch den Verkauf des 49-Prozent-Anteils am deutschen Kraftwerk Walsum 10 per 30.9. um 16,8 Prozent auf 805 GWh. Gegenläufig wirkten hier mehr Theiß-Abrufe zur Netzstabilisierung.
Der Netzabsatz wuchs bei Strom um 2,5 Prozent auf 12.888 GWh und bei Erdgas um 4,9 Prozent auf 11.277 GWh. Der Stromverkauf an Endkunden legte um 7,1 Prozent auf 11.755 GWh zu, ging aber bei Erdgas um 5,2 Prozent auf 3.950 GWh zurück. An Wärme wurde mit 1.782 GWh um 2,9 Prozent mehr an Endkunden verkauft.