Über 130 Tote

Moskau-Terroristen lesen Aussagen im Staats-TV ab

Nach dem blutigen Terroranschlag in Moskau verkündete vermutet Putin die Ukraine als Drahtzieher und macht dafür die Täter gefügig.

20 Minuten
Moskau-Terroristen lesen Aussagen im Staats-TV ab
Mit leerem Blick und gezeichnet von Folter erschien in Russland einer der Crocus-Terroristen vor Gericht – und will sich plötzlich an Verbindungen zu Kiew erinnern.
Screenshot 1Kanal

Nach dem blutigen Terroranschlag in der Crocus City Hall, bei dem Ende März in Moskau über 130 Personen starben, hat Russland die verhafteten Täter verhört – und dabei genau jene Informationen erhalten, die Putin für seinen Krieg in der Ukraine in die Hände spielen. Zuvor hatte der russische Präsident wahlweise die Ukraine, dann islamische Terroristen und schließlich wieder Kiew für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Doch von Anfang an: Während Putin sich in den ersten Stunden nach dem Anschlag vom 22. März ausschwieg, verschwendeten ergebene Unterstützer wie der Ex-Präsident Medwedew keine Zeit, die Ukraine für den Terrorakt verantwortlich zu machen.

Putins mannigfaltige Schuldzuweisungen

Bereits wenige Stunden nach dem Blutbad bekannte sich aber die Terrormiliz Islamischer Staat zum Anschlag, während die russischen Behörden Bilder der mutmaßlichen Terroristen veröffentlichten. Wladimir Putin sagte daraufhin am 25. März, dass tatsächlich Kämpfer des IS hinter dem Terroranschlag gesteckt hätten.

In neuester Zeit hat Putin aber seine Meinung geändert und wiederholt der Ukraine vorgeworfen, dass die Terroristen Verbindungen nach Kiew und dessen westlichen Partnern gehabt hätten – Beweise dafür führte er keine an, sondern argumentierte lediglich, dass Russland als "interreligiöses und interethnisches Land" gar nicht zum Ziel von islamischen Extremisten werden könne.

Ebenso schweigt er sich zum Umstand aus, dass mehrere westliche Nachrichtendienste, aber auch der iranische Geheimdienst, Russland dringend vor einem bevorstehenden Terroranschlag gewarnt hatten.

Um die Ukraine für den Anschlag verantwortlich zu machen und damit die Bevölkerung stärker für den Krieg zu mobilisieren, braucht Putin aber offenbar gar keine Beweise, sondern nur die russischen Verhörmethoden: In einem neu veröffentlichten Video sprechen die Terroristen plötzlich auch von Verbindungen nach Kiew.

Aussagen wohl vorgegeben

So hätten sie den Plan gehabt, nach dem Anschlag in Richtung Kiew zu flüchten, wo sie eine Belohnung von einer Million Rubel erwarten soll. Was auffällt: Die mutmaßlichen Täter aus Tadschikistan scheinen ihre Aussagen abzulesen. Immer wieder blicken sie konzentriert auf einen Punkt hinter der Kamera und sprechen unnatürlich schnell und klar, obwohl nur ein Viertel der Bevölkerung von Tadschikistan Russisch spricht.

Denn die Terroristen erfuhren eine brutale Behandlung und wurden mit verschiedensten Methoden gefoltert. Nachdem schon bei den Verhaftungen Videos aufgetaucht waren, in denen die Täter mit unzähligen Schlägen und Tritten traktiert wurden, dürfte sich ihre Situation in Gewahrsam der russischen Polizei nicht gebessert haben.

So wurden die Terroristen gefoltert

Einem Terroristen wurde demnach ein Ohr abgeschnitten und in den Mund gesteckt, wie die "Bild" schreibt. Ein anderer wurde so sehr gepeinigt, dass er bewusstlos in den Gerichtssaal gebracht wurde, zudem gab es auch Berichte, laut denen die Terroristen mit Stromschlägen gefoltert wurden.

Nun werden sie von Putin instrumentalisiert, um in der russischen Bevölkerung weiter Stimmung gegen die Ukraine zu schüren. Die Ukraine streitet eine Beteiligung am Terroranschlag seit jeher vehement ab, der Geheimdienst-Chef Kirilo Budanow nannte die unbelegte Schuldzuweisung Russlands im Interview mit ARD eine "absolut absurde Anschuldigung".

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    "Heute"-Montage Dalibor Brlek / dpa Picture Alliance / picturedesk.com, Leserreporter

    Auf den Punkt gebracht

    • Die Terroristen hinter dem Crocus-Anschlag haben im Verhör von einer Verbindung nach Kiew berichtet
    • Die Aussagen scheinen aber abgelesen worden zu sein, zuvor wurden die Verhafteten brutal gefoltert
    • Obwohl sich der IS zum Anschlag bekannt hat, versucht Putin zunehmend, die Ukraine verantwortlich zu machen
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