Motorola Defy im Test: Harte Schale, guter Kern

Das neue Motorola-Smartphone widersteht Wasser, Hitze, Kälte und Stürzen. Im Test zeigt das Modell namens Defy aber auch, welche inneren Werte es hat.

Vor über einem Jahrzehnt sorgte Motorola bereits mit einem Smartphone namens Defy für Aufsehen. Das Gerät war eines der ersten, das nicht nur klassische Smartphone-Elemente wie Touchscreen und Co. bot, sondern auch Wasser- und Staub-geschützt war und zudem Stürze und Stöße besser als normale Modelle wegsteckte. Damals noch als Nischenprodukt gehandelt, schwören heutzutage viele Nutzer auf die fast unzerstörbaren "Rugged Phones".

Kein Wunder also, dass 2021 auch ein neues Motorola Defy erschienen ist. Und das hat im wahrsten Sinne des Wortes einen großen Auftritt, denn das Smartphone ist rund 170 x 78 x 11 Millimeter groß und wiegt 232 Gramm. Mit seinem 6,5 Zoll großen Display und der dicken Schutz-Ummantelung passt es deshalb kaum in eine Hosentasche. Und auch die Bedienung mit einer Hand ist nicht mehr möglich – außer man verfügt über äußerst große Hände.

Klobiges, aber gut geschütztes Gehäuse

Klein ist allerdings der Preis ausgefallen: Er liegt bei 329 Euro. Damit könnte man eigentlich ein besseres Einsteigermodell oder eher durchschnittliche Mittelklasse erwarten, im "Heute"-Test überrascht die Leistung jedoch in einigen Bereichen. Doch der Reihe nach. Das große Display mit deutlich breiten Bildschirmrändern verfügt über Gorilla Glass Victus, jenem Schutzglas, das eigentlich nur in deutlich teureren Geräten zu finden ist. Das Gehäuse steht etwas über den Bildschirm heraus, was das Display zusätzlich vor Stürzen auf die Bildschirmseite schützt.

An der Oberseite des Geräts finden sich vorne mittig die Selfie-Cam und ein Lautsprecher, an der Oberseite selbst ist eine klassische Klinkenbuchse für Kopfhörer verbaut. Wie die Oberseite verfügen die linke und rechte Seite über ein geriffeltes Design, das den Halt verbessert. Dieses Muster zieht sich auch über die Rückseite, die oben mittig ein Kameramodul und den Fingerabdrucksensor beherbergt. An der Unterseite finden sich der USB-C-Anschluss, ein Lautsprecher und eine kleine Befestigungsmöglichkeit für eine Handschlaufe, die Motorola auch gleich im Smartphone-Karton mitliefert.

Hitze, Stürze, Staub, Wasser – kein Problem

Das Kunststoffgehäuse wirkt schon beim Hinsehen solide – und ist ein technisches Meisterwerk. Es besteht aus mehreren Schichten, in denen ein thermoplastischer Kunststoff mit verstärkten Leiterplatten zum Einsatz kommen und die doppelt versiegelt wurden. Damit steckt das Gerät Stürze aus bis zu 1,8 Metern weg und besitzt mit IP68 den bisher höchsten Smartphone-Schutz gegen Wasser und Staub. Außerdem können dem Defy Temperaturen von minus 25 Grad Celsius bis plus 55 Grad Celsius nichts anhaben.

Klar, das Defy sieht klobig aus, hässlich ist es aber keinesfalls. Auf Kunststoff-Abdeckungen bei den Anschlüssen wird übrigens verzichtet, das Smartphone wurde so konstruiert, dass das Innenleben trotzdem geschützt ist. Die Tasten des Smartphones sind an der rechten Seite zu finden, neben einem Power-Button und einer Lautstärke-Wippe findet sich auch ein weiterer Button, der programmierbar ist. Durch ihn kann man sich beispielsweise die Kamera aktivieren und die Anrufliste aufrufen lassen – oder man legt seine meistgenutzte App auf die Taste ab.

Harte Schale, weicher Kern?

Bedeutet das gut geschützte Äußere und der niedrige Preis, dass beim Innenleben gespart wurde? Keineswegs. Ein Highend-Gerät darf man sich vom Motorola Defy zwar nicht erwarten, leitungsmäßig arbeitet es allerdings auf Augenhöhe beliebter Mittelklasse-Serien wie den A-Modelle von Samsung oder der hauseigenen Moto-G-Geräten. Das LCD-Display löst mit eher niedrigen 1.600 x 720 Pixel auf, was zwar scharf genug für Texte, Bilder und Co. ist – aber ein Problem an anderer Stelle offenbar. Mit einer relativ geringen Helligkeit von 450 Nits und einem spiegelnden Bildschirm kann es in sehr sonnigen Umgebungen und aus großen Betrachtungswinkeln Probleme geben, die Inhalte zu erkennen.

Schön dafür, dass es in den übrigen Bereichen nicht viel zu bemängeln gibt. 5G ist nicht mit an Bord, ist aber bisher sowieso noch eher ein Randthema. Im Inneren des Motorola Defy arbeitet ein Qualcomm Snapdragon 662, der seine Arbeit mit vier GB RAM flott erfüllt und auch Multi-Tasking ordentlich schupft. Gaming-Monster ist das Motorola-Smartphone natürlich keines, nicht überaus leistungsintensive Gaming-Apps sind aber auch am Defy möglich. Als Betriebssystem kommt Android 10 – beinahe "pur" und ohne Bloatware. Auch ein Update auf Android 11 soll es geben, tiptop!

Durchschnittliche Kamera, aber starker Akku

Durch das schicke Kameramodul des Motorola Defy darf man sich nicht täuschen lassen, denn es liefert eher durchschnittliche, jedoch brauchbare Fotos ab. Verbaut sind eine 48-Megapixel-Hauptkamera sowie eine Makrokamera und ein Tiefensensor mit je 2 MP sowie ein Blitz. Mit den Standard-Einstellungen gelingen tolle Aufnahmen, je nach Makro- oder Zoom-Stufe sowie in der Dunkelheit nimmt die Qualität aber deutlich ab. Etwas seltsam: Die Kamera löst manchmal deutlich zeitverzögert aus. Eine tolle Foto-Software holt allerdings noch viel aus nicht so spektakulären Bildern raus. Hier einige Aufnahmen mit dem Motorola Defy zum Durchklicken:

4K-Videos unterstützt das Motorola Defy nicht, Clips sind aber mit 1.080p möglich. Die Selfie-Cam knipst mit 8MP und die Aufnahmen können sich im Tageslicht sehen lassen, die Qualitätsabnahme zeigt sich aber auch hier mit zunehmender Dunkelheit. Der wahre Star des Smartphones ist der 5.000-mAh-Akku. Trotz starker Leistung hält das Motorola Defy damit auch bei intensiver Nutzung bis zu zwei Tage durch. Ein Wochenende in der Wildnis oder im Wald sind damit drinnen, ohne dass der Saft ausgeht. "Schnellladen" ist dagegen etwas gemächlicher gemeint: Mit dem mitgelieferten 20-Watt-Lader dauert der volle Vorgang ziemlich genau zwei Stunden.

Harte Schale, guter Kern!

Wer ein solides Mittelklasse-Smartphone mit mehr als nur einer Prise Extraschutz oder ein Gerät für die Baustelle, die Dschungel-Expedition oder die Holzfäller-Tour ohne mickrige Leistung haben will, ist beim Motorola Defy richtig. Es hat genug Power für Alltagsaufgaben und sieht trotz des hohen Schutzfaktors und seiner Größe nicht übermäßig klobig aus. Verstauen lässt es sich allerdings nicht so leicht in der Hosentasche, dafür muss man sich aber auch wegen Kratzern, Wasserschäden oder dem Splittern bei Stürzen kaum mehr Gedanken machen.

Als Schwächen weist das Motorola Defy eine relativ geringe Bildschirmhelligkeit auf, die bei Sonneneinstrahlung nicht gegen Display-Spiegelungen ankommt. Auch die Kamera schwächelt gerade in Zoom-, Makro- und Nachtaufnahmen etwas, liefert aber im Standard-Modus gute Bilder. Erwähnenswert ist auch der kleine Speicher von 64 Gigabyte: Wem er zu wenig ist, der kann ihn allerdings per microSD-Karte erweitern. Toll am Motorola Defy sind dagegen die für jegliche Alltagsaufgaben ausgelegte Leistung, das für ein Rugged Phone schicke Design samt umfassenden Geräte-Schutz und der dicke Akku.

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