Wien

Mutter ging mit Messer auf Kind los - Einweisung

Das Wiener Landesgericht hat am Mittwoch eine Mutter in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einweisen lassen. Sie hatte Ende 2019 ihre sechsjährige Tochter mit einem Küchenmesser attackiert.
13.05.2020, 18:38

Die aus Syrien stammende Frau war unter dem Einfluss einer psychischen Erkrankung gestanden, die auf Erlebnissen auf ihrer Flucht nach Europa fußte. Die 39-Jährige war 2016 mit ihren fünf jüngsten Kindern von Aleppo Richtung Europa aufgebrochen, um dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat zu entkommen. Ihr Ehemann und die übrigen fünf Kinder waren anschließend nachgekommen.

An dem Abend, als sie in Wien-Leopoldstadt auf ihre sechsjährige Tochter losging, war eine Sozialarbeiterin in der Wohnung anwesend, die sich seit mehreren Monaten um die Familie kümmerte. "Die psychische Erkrankung der Mutter hatte Auswirkungen auf das Familienleben", schilderte die Sozialarbeiterin einem Schöffensenat.

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Tochter schrie in Panik um Hilfe

Sie habe sich im Wohnzimmer mit dem Vater und einem älteren Sohn unterhalten, als aus einem Nebenzimmer Schreie ertönten. Die sechs Jahre alte Tochter habe "in den hellsten, grellsten Tönen, in Panik" geschrien. Man sei sogleich hinübergelaufen und habe gesehen, wie die 39-Jährige im Begriff war, das Mädchen mit einem Messer zu attackieren. Vater und Sohn hätten die Frau entwaffnet, der Sohn fügte sich dabei eine Schnittverletzung an der Hand zu. Die Sechsjährige blieb äußerlich unverletzt.

Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith hatte nach zwei eingehenden Untersuchungen keinen Zweifel, dass bei der Frau im Tatzeitpunkt eine hochgradige geistige Abartigkeit vorlag und damit keine Schuldfähigkeit gegeben war.

Die Anklagebehörde stellte daher einen Antrag auf Unterbringung der Frau in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Der Verteidiger bat um Bedenkzeit.