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Mysteriöse Störungen – Flieger kommen vom Kurs ab

Über den irakisch-iranischen Luftraum kommt es zu mysteriösen Störungen bei GPS-Signalen. Notfalls muss ohne GPS-Navigationssysteme geflogen werden.

Im gepunkteten Gebiet über den irakisch-iranischen Luftraum kommt es seit dem 25. September 2023 zu sogenanntem GPS-Spoofing.
Im gepunkteten Gebiet über den irakisch-iranischen Luftraum kommt es seit dem 25. September 2023 zu sogenanntem GPS-Spoofing.
Ops Group

GPS-Spoofing – dem Aussenden von Störsignalen – über dem irakisch-iranischen Luftraum sorgt dafür, dass Flugzeuge derzeit vom Kurs abkommen. Seit Montag ist die Anzahl der Vorfälle, die auf einer Website für Flugdaten namens Ops Group gemeldet wurden, rasant gestiegen.

Insgesamt rund 20 Piloten, Flugplaner und Fluglotsen meldeten, dass GPS-Navigationssignale gefälscht worden seien. Einige der Crews waren deshalb sogar navigationsunfähig und mussten von der Flugsicherung Vektoren zur Orientierung anfragen. Wer hinter der Manipulierung der GPS-Daten steckt, ist nicht bekannt.

"Keine Ahnung, wo wir waren"

Die Crew einer Embraer 650-Maschine auf dem Weg von Europa nach Dubai berichtete, dass sowohl beide GPS-Navigationsgeräte an Bord als auch die GPS-Signale für die beiden iPads von Pilot und Co-Pilot vollständig ausgefallen seien. "Wir merkten erst, dass es ein Problem gab, als der Autopilot anfing, nach links und rechts zu drehen, also war es offensichtlich, dass etwas nicht stimmte. Nach ein paar Minuten erhielten wir Fehlermeldungen auf unserem Flight Management System", erzählt einer der Piloten dem US-Portal "Forbes".

Die Situation war nicht ungefährlich: Der Flieger war am Schluss etwa 80 Seemeilen (über 148 Kilometer) vom Kurs abgewichen – fast wäre die Maschine ohne Erlaubnis in den iranischen Luftraum eingedrungen. Die Piloten einer Bombardier Challenger 604 auf dem Weg nach Doha, Katar, berichten über einen ähnlichen Vorfall. Nördlich von Bagdad seien ihre GPS-Daten gestört worden. "Wir verloren alles, was mit der Navigation zu tun hatte", sagt ein Crewmitglied. Das System habe ihnen angezeigt, dass sie 70 bis 90 Meilen von der Route abgedriftet waren. Es schaltete auf Koppelnavigation um. "Es hatte keine Ahnung, wo wir waren."

    AUA-Jet musste zurück.
    AUA-Jet musste zurück.
    Doku NÖ/Lesereporter

    Vorbereitet sein, ohne GPS zu fliegen

    Die US-Luftfahrtbehörde hat am Mittwoch auf die Anhäufung der Spoofing-Vorfälle reagiert und in einer Mitteilung an Fluggesellschaften geschrieben, dass bei Flügen über Bagdad und dem nördlichen Teil des Irak Störungen bei GPS-Signalen zu erwarten seien.

    Die Behörde empfiehlt die Besatzungen, "einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Aufrechterhaltung der kontinuierlichen Kommunikation mit den zuständigen Flugsicherungsbehörden zu legen, die Leistung der Flugzeugausrüstung genau auf Diskrepanzen oder Anomalien zu überwachen und darauf vorbereitet zu sein, ohne GPS-Navigationssysteme zu arbeiten".

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