Bei Facebook-Verkauf

Mysteriöser Mordprozess ohne Leiche – Brüder verurteilt

Im Fall jenes 31-Jährigen, der nach dem vermeintlichen Verkauf seines Autos spurlos verschwand, gab es jetzt ein Urteil.
Newsdesk Heute
06.12.2023, 18:58
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Bereits länger schrieb ein 31-jähriger Iraker aus Salzburg mit möglichen Interessenten hin und her, nachdem er seinen BMW X6 auf Facebook inseriert hatte. Am 2. Jänner traf er sich schließlich mit einem jungen Ungarn, telefonierte kurz zuvor noch mit seiner Freundin, besprach das geplante Restaurantessen am Abend. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

Jüngerer gestand Gewalt

Handyauswertungen und Blutspuren führten schließlich zu einem Brüderpaar aus Ungarn, denen die Staatsanwaltschaft vorwarf, den 31-Jährigen ermordet und ihm das Auto geraubt zu haben. Beide bestritten anfangs ihre Involvierung. Obwohl die Leiche des Irakers noch immer nicht gefunden wurde, kam es nun zum Prozess.

Wie die "Salzburger Nachrichten" berichten, gab es dort relativ bald ein Teilgeständnis. Der jüngere Bruder, ein mehrfach vorbestrafter 20-Jähriger, gab einen Streit im Stiegenhaus zu. Der Iraker habe ihn attackiert, er habe zurückgeschlagen; so lange, bis sein Gegenüber leblos die Treppe hinunterrutschte.

Das Handy des Verschwundenen zeichnete zuletzt am 2. Jänner um 15.06 eine Aktivität auf – in einer verwahrlosten Kino-Tiefgarage beim Salzburger Bahnhof, wo das Treffen der Angeklagten und des mutmaßlichen Opfers stattfand. Dies sei auch der mutmaßliche Tatort, so die Staatsanwaltschaft. Nachdem die Angeklagten das Auto gestohlen haben, sollen sie es abgemeldet und mit einem Überstellungs-Kennzeichen nach Ungarn gebracht haben. Die furchtbare Vermutung: Womöglich war die Leiche des 31-Jährige im Kofferraum.

Einen Tag nach Verschwinden des Irakers meldeten die Halbbrüder ihren Wohnsitz in Salzburg ab. Zurück in Ungarn, wollten sie den BMW verkaufen, doch die Polizei schnappte rechtzeitig einen der Verdächtigen bei einem Besuch in Salzburg. Anwalt Stefan Rieder, der die Lebensgefährtin des mutmaßlichen Opfers vertritt, ist überzeugt, dass die Halbbrüder gemeinsam an der Tat beteiligt waren. Denn: Der ältere Ungar habe sich am Tag der Tat mit einer Karten-App abgelegene Waldstücke mit einer Karten-App angeschaut und hatte einen davon laut Geodaten sogar inspiziert. Warum, konnte er vor Gericht nicht erklären.

18 und 15 Jahre Haft

Daraufhin habe er seinen älteren Bruder um Hilfe gebeten, dieser habe abgewimmelt, worauf der Ungar die Leiche mit dem Auto in ein Waldstück brachte und sie an einem Feldweg ablegte. An den genauen Ort könne er sich nicht mehr erinnern. Die Staatsanwaltschaft hält es naturgemäß für recht unwahrscheinlich, dass in der Nähe des Salzburger Stadtgebiets eine offen abgelegte Leiche so lange unentdeckt bleibt.

"Die Angeklagten haben ein Interesse daran, dass die Leiche nicht gefunden wird. Eine Obduktion würde die wahre Todesursache klären", ist sich Staatsanwältin Elena Haslinger sicher. Auch die Geschworenen hatten ihre Zweifel und verurteilten den Jüngeren zu 18 Jahren, den Älteren zu 15 Jahren Haft (nicht rechtskräftig).

{title && {title} } red, {title && {title} } 06.12.2023, 18:58
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