Der Angeklagte (29) soll einen Verdächtigen nach der Amtshandlung falsch beschuldigt haben. Obwohl sich der Verdächtige widerstandslos festnehmen ließ, gab der Beamte im Einsatzbericht an, von ihm getreten und mit einer Waffe bedroht worden zu sein, so die "APA".
Im Prozess machte der ehemalige Polizist dann keine Aussagen mehr, bekannte sich aber schuldig. Sein Anwalt sprach von einem "übertriebenen Jagdtrieb". Immerhin habe sein Klient täglich mit Drogendealern zu tun gehabt.
Von einem Schöffensenat wurde der 29-Jährige zu acht Monaten bedingter Haft und einer unbedingten Geldstrafe von 4.140 Euro verurteilt, Angeklagter und Staatsanwältin nahmen das Urteil an. Richter Etl betonte laut einem Bericht der "APA" den großen Schaden, den der Beschuldigte angerichtet habe. Er habe dem Opfer in seiner Freiheit geschadet und außerdem den tausenden Polizisten, die täglich ihren Job machen.
Vor zehn Jahren startete der Angeklagte seine Ausbildung, war zuletzt für die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) tätig. Bei Ermittlungen gegen das illegale Glücksspiel und Suchtgifthandel observierte seine Gruppe zwei Männer. Diese holten in der Gablenzgasse (Wien-Fünfhaus) zuerst einen Spielautomaten aus dem Kofferraum und dann drei Sackerl, in denen Rauschgift vermutet wurde. Einer der Männer fuhr mit dem Auto weg, die Beamten verfolgten ihn daraufhin mit Blaulicht.
Der Verdächtige (31) blieb zuerst aber nicht stehen. Im Gegenteil. Er stieg ins Gas, fuhr mehrmals über Kreuzungen, wo die Ampel gerade auf Rot geschalten hatte. Ihm dürfte während der Fahrt auch die Schreckschusspistole eines Freundes eingefallen sein, die in seinem Auto lag. Er warf sie auf der Fahrt aus dem Fenster. Dann blieb er stehen und ließ sich ohne Widerstand festnehmen.
Der 29-jährige Ex-Polizist vermerkte aber später im Einsatzbericht, von dem Geflüchteten mit einer Pistole bedroht worden zu sein. Außerdem soll der Mann ihn getreten haben. Er nahm ihn deshalb in Haft. Der 31-Jährige wusste nicht, wie ihm geschah, rief am Tag darauf seinen Anwalt an. Er bekam eine Anzeige wegen Verdacht des Widerstands gegen die Staatsgewalt und wegen versuchter schwerer Körperverletzung, kam auf freien Fuß. "Ich hab' eine Woche nicht schlafen können, weil ich wusste, dass es nicht stimmt", sagte der 31-Jährige laut "APA" vor Gericht aus.
Er suchte auf eigene Faust den Ort seiner Festnahme auf und suchte dort Überwachungskameras. Dieses Video ließ er auch durch seinen Anwalt beim Prozess vorlegen, da der Polizist vorerst bei seiner ursprünglichen Aussage blieb. In dem Video ist zu sehen, wie der Verdächtige die Waffe aus dem Autofenster warf und dann mit erhobenen Händen auf die Beamten zuging. Nach diesem Video wollte der Angeklagte keine Aussagen mehr machen. Der 31-Jährige wurde daraufhin freigesprochen und die Ermittlungen gegen den Beamten wurden eröffnet.