Der neue britische Premier Boris Johnson bereitet sich mit Vollgas auf einen harten Brexit vor ("Heute.at" hat berichtet). Doch Großbritanniens Lebensmittelproduzenten wollen ihn jetzt bremsen. Denn sollte der Brexit zum 31. Oktober „ohne Wenns, ohne Abers" tatsächlich erfolgen, könnte die Insel in eine Wochen oder Monate anhaltende Versorgungskrise schlittern.
Laut Food and Drink Federation (FDF) seien Zoll und Grenzanlagen auf beiden Seiten des Ärmelkanals für einen harten Brexit noch ungenügend vorbereitet, nur ein Teil der Lastwagen, die bislang aus der EU Lebensmittel liefern, könne auch rechtzeitig abgefertigt werden. "No Problem", heißt es aus dem Büro Boris Johnsons. Großbritannien produziere derzeit etwa 53 Prozent seiner Lebensmittel selbst, nur 28 Prozent kommen bislang aus der EU. "Es wird keine allgemeine Lebensmittelknappheit im Vereinigten Königreich geben", zitiert die BBC einen Regierungssprecher.
Um besonders in entlegenen Gemeinden eine Krise zu vermeiden und eine Mindestversorgung zu gewährleisten sei es notwendig, dass sich die Lebensmittelfirmen untereinander abstimmen dürften, fordert die FDF. Jedoch: Absprachen zwischen Wettbewerbern sind in Großbritannien ähnlich wie in Österreich eigentlich untersagt, um die Bildung von Kartellen zu verhindern.
Die FDF habe jedoch bereits Ende 2018 der Regierung eine entsprechende übermittelt, allerdings (noch) keine Antwort bekommen. (jd)