Nach Eisenstangen-Attacke: Urteil am Geburtstag

Bild: Harald Dostal

Mord oder Totschlag? Familienvater Roland H. muss sich in Linz vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage das Nachbar-Ehepaar (71, 74) in Leonding (Bez. Linz-Land) erschlagen hat. Am Dienstag wird das Urteil gesprochen - genau an diesem Tag feiert der Angeklagte seinen 42. Geburtstag.

Mord oder Totschlag? Familienvater Roland H. muss sich in Linz vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage das Nachbar-Ehepaar (71, 74) in Leonding (Bez. Linz-Land) erschlagen hat. Am Dienstag wird das Urteil gesprochen – genau an diesem Tag feiert der Angeklagte seinen 42. Geburtstag.
Das ist wohl der traurigste Geburtstag seines Lebens. Am Dienstag wird der zweifache Familienvater 42 Jahre alt. Doch anstatt mit seinen beiden Kindern zu feiern, muss Roland H. den ganzen Tag im Gerichtssaal verbringen und auf sein Urteil warten. Sollte er wegen Mordes verurteilt werden, droht ihm sogar eine lebenslange Haftstrafe. Verteidiger Andreas Mauhart plädiert auf Totschlag: "Mein Mandant war einem unvorstellbaren Psychoterror, der vor allem gegen seine beiden kleinen Kinder ausgeübt wurde, ausgesetzt."

Wie , kam es am Nachmittag des 13. Februar zu dem schrecklichen Drama. Ganz in der Nähe ihrer Grundstücke, neben einer Baustelle, trafen alle drei aufeinander. Der 41-Jährige war gerade auf dem Weg zu einem Supermarkt, das Ehepaar machte einen Spaziergang. Laut Aussagen des Angeklagten, soll ihn das Ehepaar angerempelt und "blödes Schwein" genannt haben.

"Es wurde plötzlich dunkel in mir"

Danach nahm das Drama seinen Lauf. Nach einem kurzen Wortgefecht soll H. auf das Paar mit den Füßen eingetreten haben. Und als das Ehepaar bereits am Boden lag, habe er eine vor ihm stehende Eisenstange aus ihrer Verankerung gerissen und damit auf die Pensionisten eingeprügelt. In Polizeiverhören gab der Familienvater an: "Es wurde plötzlich dunkel in mir. Ich kann mich an meine schrecklichen Handlungen nicht erinnern."Die Opfer erlagen nur wenige Tage nach der Attacke ihren schweren Kopfverletzungen.

17 Zeugen bei Prozess

Beim Prozessauftakt am Montag betrat Roland H. kurz vor neun Uhr im Beisein von zwei Polizisten den Gerichtssaal. Der Angeklagte wirkte sehr schüchtern, trug ein viel zu großes blaues Sakko. Die Anklage hatte 17 Zeugen beantragt. Die Frau des Beschuldigten, Sabine H., wollte nicht aussagen. Ihr soll es noch immer psychisch sehr schlecht gehen.

Staatsanwalt Steiner ersparte den Geschworenen Fotos der Obduktion. Sie seien nicht zumutbar und auch nur schwer zu ertragen. Die beiden Opfer seien an einem offenen Schädel-Hirn-Trauma gestorben. Mauhart, der mit dem Angeklagten gemeinsam zur Schule gegangen ist, meinte gleich zu Beginn: "Mein Mandant ist ehrlich, er hat niemals versucht, die Tat schön zu reden."

Um 11.30 Uhr begann die Einvernahme

Gegen 11.30 Uhr startete dann die Einvernahme des Angeklagten. Auf die ewigen Streitigkeiten angesprochen, meinte Roland H.: "Es hat alles mit dem Erwerb des Hauses angefangen." Er berichtet auch davon, dass bei jeder Feier im Garten stets gegen 22 Uhr die Polizei von den Nachbarn gerufen wurde. Bei Umbauarbeiten hätte das Ehepaar einen Anwalt engagiert, der Einsprüche anmeldete.

Dass die Opfer seinen behinderten Sohn oft als "Missgeburt" beschimpft hätten, sei sehr belastend gewesen, erklärt der Familienvater. Vor allem seine Ehefrau habe sich immer mehr zurückgezogen, sich kaum mehr in den Garten getraut. "So gezielt, wie sie sich auf meine Frau eingeschossen haben mit den Beleidigungen, war für mich klar, dass sie bewusst etwas provozieren wollen", so H. zu der Richterin.

Gattin drohte mit dem Ausziehen

Sogar mit dem Ausziehen soll die Gattin des Angeklagten gedroht haben. Roland H.: "Mir war damals nicht bewusst, wie schlimm es meiner Frau wirklich gegangen ist."

Noch einmal auf den genauen Tathergang angesprochen, meinte der Angeklagte, dass Regina Z. mit dem Ellenbogen in sein Gesicht geschlagen und ihn danach auch noch beschimpft haben soll.

"Ich hatte das Gefühl, ich muss mich gegen diese Leute wehren, es geht nicht mehr, ich kann nicht mehr", so der Beschuldigte, der weiter ins Detail geht: "Irgendwann habe ich die zwei im Blut liegen gesehen. Da wusste ich, ich habe einen Fehler gemacht. Es ist Aus."

Nun gilt es für die Geschworenen zu entscheiden, ob es sich um Mord (zehn bis 20 Jahre oder lebenslänglich) oder Totschlag (fünf bis zehn Jahre Haft) handelte. Das Urteil wird am Dienstag erwartet.

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