Nach Flucht vor Räubern macht sie jetzt Karriere

Stolz präsentiert die junge Unternehmerin ihre Speisen
Stolz präsentiert die junge Unternehmerin ihre SpeisenBild: Sabine Hertel
Die 24-jährige Shehawhe Scacco flüchtete vor zwei Jahren aus ihrer brutalen Heimat Venezuela. Mit im Gepäck hatte sie Rezepte von zu Hause. Wiener fahren darauf ab. Jetzt startet ihr eigenes Lokal.
Was damals war, will sie eigentlich nur schnell vergessen: "Es war schrecklich, wir Flugbegleiterinnen wurden ständig am Weg zur Arbeit überfallen. Teile unseres Gehalts bekamen wir in Dollar-Noten, das machte uns zum Ziel. Meiner Kollegin, die ihr ganzes Erspartes mit dem nächsten Flug ins Ausland bringen wollte, nahmen bewaffnete Räuber alles ab, sogar die Schuhe!"

Als dann auch noch ihre Airline zusperrte und sie ihren Job verlor, packte die junge Frau ihre Koffer und kam nach Österreich.

Neuanfang ohne Geld und ohne Job



CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Hier angekommen, hatte sie weder Geld noch Arbeit. Sie schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch – ihre große Leidenschaft war aber das Kochen: "Schon als Kind half ich meiner Oma immer in der Küche, von ihr hab ich viel gelernt. Vieles hab ich mir aber dann aber später mit Youtube-Videos selbst beigebracht."

Vor zwei Jahren machte sie dann erstmals ihr Hobby zum Beruf: Sie nahm sich ein Herz, investierte alles was sie hatte in Küchenausrüstung und ein Auto zum Transport. Am Weihnachtsmarkt in Wien-Neubau, dem idyllischen Spittelberger Christkindlmarkt durfte sie ein Standl betreiben. Dort verkaufte sie erstmals selbstgemachte Empanadas und Arepas. Die knusprigen Maisteigtaschen mit Fleisch- oder Käsefüllung gingen weg, wie die warmen Semmeln. Vom Geheimtipp wurde sie binnen Tagen zu einer der Hauptattraktion des Marktes. Die Menschen standen vor ihrem kleinen Holzhaus Schlange: "Wir haben über tausend Empanadas verkauft, das war ganz schön stressig", denkt sie an die Weihnachtszeit zurück.



Mit eigenem Restaurant endlich Traum erfüllt



Um sich ihren Traum vom eigenen Restaurant zu erfüllen, sparte Shehawhe weiter eisern, legte jeden Euro beiseite und suchte nach einem Raum zum Mieten, um den Wienerinnen und Wienern die südamerikanischen Spezialitäten auch ganzjährig schmackhaft machen zu können. Am Landstraßer Gürtel in Wien fand sie einen alten Imbiss, baute ihn mit Freunden gemeinsam um.

"Aguacate" (spanisch: Avocado) heißt ihr neues Lokal, das kürzlich die Pforten öffnete. "Das Geschäft läuft jetzt schon super, für den Sommer plane ich bereits einen Foodtruck für Festivals."

An ihre Oma denkt sie in diesen Tagen oft: "Sie wuchs noch mit den Ureinwohnern im Amzonas auf, schaffte es bis zur Restaurantbesitzerin. Jetzt trete ich in ihre Fußstapfen. Ich glaube, sie wäre stolz auf mich, ein Traum geht für mich in Erfüllung."

Die Geschichte hinter ihrem Namen



Der selbst für Venezelanaer sehr ungewöhnliche Vorname der jungen Unternehmerin erinnert übrigens an ihre familiären Wurzeln bei den Ureinwohnern. Shehawhe bedeutet "Prinzessin vom blauen Wasser" und war eine berühmte Sagen-Figur der Eingeborenen. Nun will die "Prinzessin" mit ihren goldgelben Teig-Taschen schon bald Wiens "Empanada-Königin" werden.

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