Nach Impfung von Seilbahnchef: "Sind keine Verbrecher"

Eine Seilbahn im Bezirk St. Johann im Pongau (Symbolbild)
Eine Seilbahn im Bezirk St. Johann im Pongau (Symbolbild)Maria Breuer / Westend61 / picturedesk.com
Als bekannt wurde, dass Anfang Jänner ein Seilbahn-Chef in St. Johann geimpft wurde, hagelte es Kritik. Nun wehrt sich der zuständige Heimleiter. 

Mit "30 bis 40" übrig gebliebenen Impfdosen wurden Anfang Jänner in einem Altenheim in St.Johann im Pongau (Sbg.) unter anderem der Bürgermeister, seine Gattin und ein Seilbahnvorstand geimpft. Laut den "Salzburger Nachrichten" seien die fünf Hausärzte der Gemeinde jedoch nicht gefragt worden. Dies sorgte nun bei mehreren Bürgern für Unmut, auch in den sozialen Medien hagelte es, wie berichtet, heftige Kritik.

Die ganze Aufregung um die Impfungen versteht der Heimleiter nicht. "Wir haben am 2. Jänner Impfstoff für 126 Personen bestellt. Wir hatten bereits im Dezember abgefragt, wer von den Bewohnern und Mitarbeitern eine Impfung möchte. Da hätten wir auch für die Hausärzte mitbestellen können. Jedoch hat keiner von ihnen angefragt", so Fritz Neu. Kurz bevor es mit dem Impfen losging, erstellte der Heimleiter noch eine Ersatzliste. "Man wusste damals noch nicht wieviele Impfungen aus einer Dose rausgehen. Auf der Ersatzliste standen Menschen im Alter von 67 bis 91 Jahren, die auf die Impfung vorbereitet wurden. Ohne Voruntersuchung kann man nicht jeden älteren Menschen einfach so impfen", erklärt Neu. 

Fritz Neu, Leiter des Seniorenheims St. Johann im Pongau
Fritz Neu, Leiter des Seniorenheims St. Johann im PongauGemeinde St. Johann im Pongau

Erst Bewohner, dann Bekannte

Am 8. Jänner gab es dann die Spritze gegen das Coronavirus. "69 Bewohner, 46 Mitarbeiter und zehn externe Mitarbeiter wurden geimpft. Alle, die wollten, haben den Impfstoff bekommen," versichert der Heimleiter. Als um 18:30 Uhr dann noch immer Impfdosen übrig waren, musste es laut Neu schnell gehen. "Wir haben einfach angerufen, wen wir kannten." 

Neben Bürgermeister Günther Mitterer und Seilbahn-Chef Wolfgang Hettegger sollen auch ältere Bürger immunisiert worden sein. "Es war unter anderem eine 80-jährige Dame mit ihrem Sohn da. Den haben wir dann auch gleich gefragt, ob er geimpft werden will." Mit dem Ersatz-Impfstoff wurden schließlich vier Gemeindemitarbeiter, 13 Angehörige und 6 weitere Personen (darunter der Seilbahn-Chef) geimpft. 

"Wir sind keine Verbrecher und haben auch keinen alten Menschen Impfstoff weggenommen. Mir war es an diesem Abend wichtig, dass die restlichen Dosen so rasch wie möglich verimpft werden, damit sie nicht im Müll landen."

Warum nicht ausschließlich ältere Menschen mit den restlichen Dosen geimpft wurden? "Es war halb sieben am Abend. Bei der Gemeinde war niemand mehr erreichbar. Und als Heimleiter habe ich keine Berichtigung auf das Meldeverzeichnis zuzugreifen. Auch beim Betreuten Wohnen kann ich nicht einfach reinspazieren und fragen, wer geimpft werden will, ohne dass es eine Voruntersuchung gibt", verteidigt Neu die Auswahl der Geimpften.

"Wir sind keine Verbrecher und haben auch keinen alten Menschen Impfstoff weggenommen. Mir war es an diesem Abend wichtig, dass die restlichen Dosen so rasch wie möglich verimpft werden, damit sie nicht im Müll landen." Trotz der Kritik zeigt sich Neu mit seinem Impfplan zufrieden. "Wir haben in unserem Heim bereits 83 Prozent der Bewohner und 62 Prozent der Mitarbeiter durchgeimpft."

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