Nach Kiga-Skandal: Neue Meldestelle für Missstände

Auch die betroffenen Mütter Doris N. (l.) und Ida M. fordern einheitliche Kontrollen von unabhängigen Experten.
Auch die betroffenen Mütter Doris N. (l.) und Ida M. fordern einheitliche Kontrollen von unabhängigen Experten.Bild: Denise Auer
Die Neos haben eine Homepage eingerichtet, an die sich Eltern und Pädagogen anonym wenden können, wenn es zu Problemen im Kindergarten kommt.

Wenn sie weinten, weil sie ihre Mama vermissten, oder es einfach zu laut war, wurden sie in den Waschraum geschickt und mussten dort in der Dunkelheit ausharren: Der Skandal rund um zwei Pädagoginnen eines Kiwi-Kindergartens in Meidling sorgte im Frühjahr für Schlagzeilen.

Damit solche Missstände in Zukunft früher ans Tageslicht kommen, haben die Neos nun unter sos-kindergarten.wien eine Meldestelle eingerichtet, an die sich Eltern und Pädagogen anonym und vertraulich wenden können.

Kontrollen durch unabhängige Experten

Gemeinsam mit betroffenen Eltern forderten die Pinken zudem in einer heutigen Pressekonferenz standardisierte Kontrollen der Kindergärten durch unabhängige Experten: "Ich finde es nicht gut, dass der Magistrat auch private Betreiber kontrolliert", so Doris N. (Name geändert), deren Sohn (4) noch heute unter den Folgen der Waschraum-"Maßnahme" leidet.

Grund für das Handeln der bereits entlassenen Pädagoginnen dürfte Überforderung gewesen sein. In der Familiengruppe (ein bis sechs Jahre) waren bis zu 20 Kinder anwesend, darunter sechs bis acht, die noch gewickelt wurden. "Dieses System provoziert Missstände", meint Doris N., deren Sohn mittlerweile einen anderen Kindergarten besucht.

Die Neos setzen sich daher für einen neuen Betreuungsschlüssel ein: Derzeit kommt eine Pädagogin (plus Assistentin) je nach Gruppenart auf 20 bis 25 Kinder (1:20 bzw. 1:25), die Pinken wollen das auf 1:8 ändern. Zusätzlich fordern sie eine Aufstockung des Assistenz-Personals und eine Attraktivierung des Kindergartenpädagogen-Berufes.

Durch Lego-Spielen aufgeflogen

Für die acht betroffenen Kinder des Meidlinger Kindergartens kommen die Forderungen leider zu spät. Der Fall flog im April auf, doch bereits ein halbes Jahr zuvor gab es erste Verdachtsmomente: "Mein Sohn wollte mit Lego immer 'Kindergarten' nachspielen. Die Lego-Figuren weinten, und er sperrte sie in ein Zimmer. Als ich ihn fragte, warum, meinte er nur: 'Das macht man im Kindergarten so.' Leider habe ich dem damals keine Beachtung geschenkt, was ich heute sehr bereue. Im April kam dann eine Mutter auf mich zu und hat mir Ähnliches von ihrem Kind erzählt", erinnert sich Doris N.

Auch die einjährige Tochter von Ida M. (Name geändert) wurde in den Waschraum gebracht: "Die Tür wurde zwar nicht zugesperrt, aber sie kam nicht zur Türklinke hoch und konnte daher auch nicht raus."

Kritik am Krisenmanagement

Nachdem die Vorfälle publik wurden, ging alles sehr schnell: Die Pädagoginnen wurden entlassen, und die MA 11 eingeschaltet. "Generell war das Krisenmanagement fur die betroffenen Kinder und Eltern schlecht greifbar. Die ersten Tage herrschte vorrangig Chaos, und dann bekam man den Eindruck, es sollte mehr bagatellisiert und beschönigt werden, denn zielgerecht im Sinne der Kinder und Eltern gehandelt werden", berichtet Martina L. (Name geändert), eine weitere Mutter.

Mittlerweile haben sich die betroffenen Eltern zusammengeschlossen (anwaltlich vertreten durch Nikolaus Rast), die Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Fünf Kinder haben bereits ausgesagt und die Angaben bestätigt, einige davon befinden sich bereits in psychologischer Betreuung.

Den beiden Pädagoginnen wird das Quälen oder Vernachlässigen unmundiger, jungerer oder wehrloser Personen (§ 92, StGB) vorgeworfen: "Ich will, dass die Pädagoginnen bestraft werden. Wenn es sein muss, gehen wir alle Instanzen durch", meint Ida M. Derzeit läuft zudem eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof: "Die MA 11 hat uns Akteneinsicht verwehrt. Das lassen wir uns nicht gefallen", meinen die Eltern.

Keine Entschuldigung der Pädagoginnen

Was ebenfalls für Verärgerung sorgt: "Ich finde es wirklich schade und bin menschlich zutiefst enttäuscht, dass die zwei Pädagoginnen bis heute nicht den Mut hatten, sich dafur zu entschuldigen", erklärt Martina L.

Spät, aber doch: Nach der Pressekonferenz entschuldigte sich eine Kiwi-Sprecherin persönlich und in aller Form bei den anwesenden Eltern. Der mit der MA 11 ausgearbeitete Maßnahmen-Katalog befindet sich laut der Sprecherin derzeit in Umsetzung.

(cz)

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