"Wiener Behörden ließen mich nach Corona-Test allein"

Vincent A. wurde mit seiner Corona-Diagnose von einer Behörde zur nächsten geschickt: "Es war ein Chaos".
Vincent A. wurde mit seiner Corona-Diagnose von einer Behörde zur nächsten geschickt: "Es war ein Chaos".
privat
Nach einem positiven Coronatest wurde der Wiener Vincent A. zehn Tage lang von den Behörden im Stich gelassen.

Es lief alles schief, was schieflaufen konnte: Der Wiener Vincent A. (Name geändert) ließ sich Ende August nach seiner Rückkehr aus Polen auf Corona testen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Symptome, sondern wollte als Reiserückkehrer einfach alles richtig machen. Nach einem Gratis-Gurgeltest beim Ernst-Happel-Stadion in Wien-Leopoldstadt sollte er das Ergebnis innerhalb von 48 Stunden bekommen – per Mail oder per Telefon.

"Ich musste jedoch drei Tage warten und bekam den Befund dann per Post. Leider war er positiv", erzählt der 32-Jährige in "Heute". "Es hat mich niemand telefonisch oder per Mail kontaktiert. Ich habe mich bis zum Ergebnis selbst in Quarantäne begeben, wollte aber dann spätabends doch die Post holen, weil es so lange dauerte. Zum Glück bin ich nachschauen gegangen".

Befund des Patienten genügte Amt nicht

Am nächsten Morgen meldete Vincent A. sich umgehend beim Gesundheitsdienst MA15, um sein positives Testergebnis bekanntzugeben. Dort verwies man ihn ans Bezirksgesundheitsamt weiter, wo man dem mittlerweile an leichtem Fieber leidenden Wiener erklärte, man sei nicht zuständig, denn: "Das Labor, das den Test machte, hatte das Ergebnis noch nicht ans Amt weitergegeben. Darauf müsse man dort erst warten. Mein Befund alleine reichte nicht aus", ist er empört.

Vier weitere Tage verstrichen, ohne Kontaktaufnahme vom Amt. Der Wiener rief dann selbst bei der Behörde an und "hing eine Stunde und zwanzig Minuten in der Warteschleife". Endlich verbunden, gab ein freundlicher Mitarbeiter zu, dass man beim Amt "derzeit überfordert" sei. In der Zwischenzeit bekam Vincent A. auch Besuch von einem anderen Beamten, der einräumte, man hätte seine Telefonnummer nicht mehr und sie sich nochmal geben ließ. "Ein unglaubliches Chaos", resümiert der inzwischen Genesene.

"Ich fühlte mich alleine gelassen"

Erst acht Tage nach seinem Test meldete sich das Contact-Tracing-Team der Stadt bei ihm, da hatte Vincent A. längst alle Freunde selbst durchgerufen, mit denen er vor dem Test Kontakt hatte. "Zum Glück ist sonst niemand positiv gewesen", zeigt er sich erleichtert. Als Angestellter im Home Office blieben ihm immerhin Unannehmlichkeiten im Büro erspart. Dennoch hat er neben dem beklemmenden Gefühl, an Corona erkrankt zu sein, auch den verunsichernden Eindruck gewonnen, "dass hier etwas massiv schiefläuft". "Ich fühlte mich mit Corona völlig alleingelassen", so sein bitteres Fazit.

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