Antisemitismus-Aufklärung

Nach Vortrag junger Juden: Schüler macht Hitlergruß

In der Ausstellung "Tacheles reden" im Parlament schildern Jugendliche antisemitische Vorfälle, wie ein Schüler, der mit Nazi-Symbolen schockierte.

Sandra Kartik
Nach Vortrag junger Juden: Schüler macht Hitlergruß
Eine junge Wiener Jüdin (Mi.) musste in einer Berufsschule miterleben, wie ein Schüler den Hitlergruß machte. Darüber spricht sie in der Ausstellung "Tacheles" im Parlament.
Instagram/OeParl

Im Vorjahr haben antisemitische Vorfälle in Österreich um fast 60 Prozent zugenommen. In der Ausstellung "Tacheles reden. Antisemitismus – Gefahr für die Demokratie" in der Bibliothek des Parlaments wird die Geschichte des Judenhasses beleuchtet. Am Dienstag wurde die Schau um weitere betroffene Stimmen erweitert.

Nun erzählen jüdische Jugendliche, wie sie Anfeindungen im Alltag erleben, etwa Teenager aus der Gruppe "Likrat": Die 14- bis 18-Jährigen haben es sich zur Aufgabe gemacht, jüdisches Leben in Schulen zu tragen. Bei den mitunter hitzigen Diskussionen mit Gleichaltrigen, stehen sie Rede und Antwort und punkten mit Wissen.

In einem Video, das in der Schau gezeigt wird, erzählt eine junge Wienerin von einem extremen Vorfall in einer Berufsschule in Graz. Sie war mit drei Freunden aus der Likrat-Gruppe dort, um mit Jugendlichen zu sprechen. Von einzelnen Teenagern ging von Anfang an eine etwas feindselige Stimmung aus. "Wir wollten darüber reden, was das Judentum ist, wer wir sind", sagt sie.  "Nach einer schon eher unangenehmeren Begegnung sind wir dann zusammen mit der Klasse und der Lehrerin die Stiegen runtergegangen und einer der Jungs hat den Hitlergruß gemacht. Der Rest der Klasse hat gelacht. Ich und meine Freundin waren schockiert."

Im Netz und von Kollegen attackiert

In einem weiteren Video erzählt eine ihrer Kolleginnen, wie antisemitische Beschimpfungen seit dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober auf Social Media zugenommen und sich verschärft haben. "Man hat mich als Kriegsverbrecherin und Genozid-Befürworterin bezeichnet. Meine Ex-Arbeitskollegin hat zu mir gesagt, wenn ich in Israel Urlaub machen, soll ich daran denken, dass mein Land Israel Blut an den Händen hat, weil sie Frauen, Kinder, Männer ermordet haben."

Armin Lange vom Institut für Judaistik der Universität Wien betonte bei der Eröffnung am Dienstag, er empfinde "Grauen, Angst und Enttäuschung, dass eine Ausstellung wie diese im Jahr 2024 notwendiger sei denn je. Wer Juden verfolgt, verfolgt die Demokratie". Auch Noa Mkayton, Leiterin des "Overseas Education and Training Departments" in Yad Vashem betonte, Antisemitismus habe eine "verheerende Wirkung auf die Gesellschaft".

Beatrice Kricheli, Kultusrätin in der IKG Wien und Programmverantwortliche von Likrat Österreich, forderte, es sei an der Zeit, Tacheles zu reden. "Wir müssen gerade jetzt klare Worte sagen und Taten sprechen lassen". Die Ausstellung zeige, warum Antisemitismus entstehe und wie er zu bekämpfen sei, "nämlich am besten durch aktives, vielfältiges jüdisches Leben". Das sei die richtige Antwort auf Antisemitismus.

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    Picturedesk; "Heute"-Collage

    Auf den Punkt gebracht

    • Junge Juden berichten von zunehmenden antisemitischen Vorfällen in Österreich, darunter schockierende Erlebnisse in Schulen und feindselige Angriffe in den sozialen Medien
    • Die Ausstellung "Tacheles reden" im Parlament beleuchtet die wachsende Bedrohung für die Demokratie und betont die Notwendigkeit, aktiv gegen Judenhass vorzugehen, indem man klare Worte findet und durch vielfältiges jüdisches Leben reagiert
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