Mit 47,8 % besitzt fast die Hälfte der Wiener Bevölkerung entweder keine österreichische Staatsbürgerschaft, wurde im Ausland geboren oder hat zwei im Ausland geborene Eltern. Damit führt Wien den Bundesländervergleich an: In der Hauptstadt leben fast doppelt so vielen (post-)migrantische Einwohner wie im österreichischen Durchschnitt. Inwieweit diese Diversität in den zahlreichen Wiener Organisationen angekommen ist, wurde nun mit dem Wiener Integrationsindex 2020 untersucht.
Im Rahmen des Österreichischen Integrationsgipfels 2021 haben die "Neuen Österreichischen Organisationen" - ein bundesweites Netzwerk von Organisationen, die im Integrationsbereich tätig sind - 104 Wiener Organisationen dazu befragt, inwieweit die gesellschaftliche Diversität in ihnen abgebildet ist. Mit 18 Fragen in fünf Kategorien will der Wiener Integrationsindex 2020 die Möglichkeit einer kostenlosen Evaluierung der "Integrationsfähigkeit" von NGOs, Parteien sowie Verwaltung und Unternehmen der Stadt Wien bieten.
Untersucht wurden unter anderem der Anteil an Migrantinnen und Migranten in Führungspositionen, der Grad an Mehrsprachigkeit, eigene Integrationsprojekte, aber auch interne und externe Maßnahmen zur Förderung einer Organisationskultur, die Diskriminierung vorbeugt.
Allen bewerteten Organisationen wurde im Vorfeld die Möglichkeit gegeben, die Umfrage selbst auszufüllen. Nur 17 Organisationen haben dieses Angebot wahrgenommen. Die übrigen Organisationen haben "die Neuen" anhand von öffentlich zugänglichen Informationen selbst bewertet.
Während viele Organisationen und Betriebe durchaus eigene Projekte zum Thema Integration und auch spezifische Angebote für Menschen mit Migrationshintergrund vorweisen können, gibt es aus Sicht der "Neuen" vor allem in der Kategorie "Team und Recruiting" bei den meisten Organisationen Nachholbedarf: Mit Ausnahme von ein paar wenigen NGOs aus dem Integrationsbereich seien auf der Leitungsebene meist nur wenige bis gar keine MigrantInnen vertreten.
Insbesondere was die Führungsebene anbelangt, scheint es Nachholbedarf zu geben: Studien legen nahe, dass Menschen mit Migrationsgeschichte gerade hier stark unterrepräsentiert sind. Ob in Unternehmen, in der Politik, in NGOs oder in der Stadtverwaltung: Menschen mit Migrationsgeschichte haben es immer noch schwer, eine Position mit Leitungsverantwortung zu besetzen.
"Wenn es um gesellschaftliche Teilhabe geht, haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Die gute Nachricht ist, dass wir mit dem Integrationsindex auf diesem Weg ein paar Schritte in die richtige Richtung gemacht haben. Jetzt kommt es darauf an, ob die Verantwortlichen den Handlungsbedarf erkennen und ob der Wille vorhanden ist, die eigene Organisation 'wienerischer' zu machen. Denn Wien ist nicht nur Wien, Wien ist auch Beč, Wien ist auch Vienna und Wien ist auch Viyana – und vieles mehr", so Projektleiter Dino Schosche.
Den ausführlichen, gesamten Bericht sowie eine Zusammenfassung der Ergebnisse der jeweiligen Kategorien gibt es online hier.
Als österreichweites Netzwerk arbeiten "die Neuen" für die Förderung von Integration und der gleichberechtigten Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in Österreich. Zu den teilnehmenden Organisationen zählen unter anderem der ExpertInnenrat M.I.T. (Migration.Integration.Teilhabe), die Koordinationsstelle der MigrantInnenorganisationen, der MigrantInnenmedienrat, die Neuen Österreichischen MedienmacherInnen und weitere unabhängige Netzwerke, die von den Neuen koordiniert werden.