Nachbarn beklagen sich über Lärm einer Bitcoin-Farm

Das Erzeugen von Bitcoins braucht Energie und erzeugt viel Wärme. Das Kühlen wiederum macht stetig Krach. Anwohner berichten von "Folter".

Die Stadt Sherbrooke, die rund 160 Kilometer entfernt von Montreal in Kanada liegt, ist eine ruhige Kleinstadt. Sie zählt nur gerade etwas mehr als 150.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Vor kurzer Zeit ist allerdings das Unternehmen Bitfarms nach Sherbrooke gezogen, was für rund 500 Anwohnerinnen und Anwohner mit einem Schlag das Ende der Ruhe bedeutet hat. Denn Bitfarms ist eine Firma, die sich auf das Mining von Bitcoins spezialisiert hat.

Bitcoin ist eine Kryptowährung, die mit Hilfe von Hochleistungs-Supercomputern geminet, also geschürft werden kann. Das benötigt aber äußerst viel Energie und Rechenleistung. So müssen die Computer, die am Bitcoin-Mining beteiligt sind, ständig mit einer ganzen Reihe an Ventilatoren abgekühlt werden, damit sie nicht überhitzen. Nun sind solche Ventilatoren aber äußerst laut und können noch weit im Umkreis solcher Bitcoin-Farmen gehört werden.

Ohrstöpsel im Haus

"Es ist wie Folter", beschreibt Paul Gingues, Stadtrat von Sherbrooke die Situation gegenüber dem "Wall Street Journal". Der ständige Lärm sei einfach nicht auszuhalten. Das Problem ist aber nicht nur in Sherbrooke bekannt. Auch in Georgia in den USA steht eine solche Bitcoin-Farm. Eine Anwohnerin dort berichtet: "Ich muss in meinem eigenen Haus Ohrstöpsel tragen." Trete sie vor die Türe, klinge es, als ob tausend Föhne gleichzeitig im Einsatz seien.

Eine zweite Anwohnerin, die direkt an das Bitcoin-Gebäude heran sieht, hat einmal die Lautstärke der Ventilatoren gemessen. Vor ihrer Haustüre maß sie 70 Dezibel, was ungefähr dem Lärm eines Staubsaugers entspricht. Im Innern ihres Hauses sind es noch immer 53 Dezibel, was ungefähr so laut wie eine Waschmaschine ist. Immer wieder werde sie vom Lärm aufgeweckt.

Schallwand und leisere Ventilatoren

Nun haben gewisse Ortschaften erstmals neue Regulierungen eingeführt, die die Lärmemissionen von Unternehmen regeln sollen. So gelten beispielsweise in Missoula, Montana, in den USA strikte Regeln, wie viel Lärm in welchen Zonen abgegeben werden darf. Plattsburgh in New York hat das Minen von Bitcoins im Jahr 2019 gar gänzlich verboten.

Auch in Sherbrooke soll das Problem nun angegangen worden sein, denn dort wird der Lärm noch verstärkt, da das Dröhnen der Ventilatoren an den Wänden eines nahegelegenen Industriegebäudes abprallt und noch lauter erscheint. Geoff Morphy, der Präsident von Bitfarms gibt jedoch an, bereits viel in die Dämpfung des Lärms investiert zu haben. So habe man beispielsweise die lauten Ventilatoren aus China mit etwas leiseren Modellen aus Deutschland ersetzt. Außerdem habe man eine sechs Meter hohe Schallwand aufgebaut. Dies habe den Lautstärkepegel bereits deutlich reduziert. "Früher klang es nach lauten Ventilatoren, jetzt klingt es nach leise blasenden Ventilatoren", so Morphy.

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