Medizinischer Durchbruch

Nachweis im Blut gefunden: Gibt's bald Long-Covid-Test?

Schweizer Forscher haben in Blut-Eiweißen von Long-Covid-Patienten ein Muster identifiziert. Das könnte helfen, es besser zu diagnostizieren.

Nachweis im Blut gefunden: Gibt's bald Long-Covid-Test?
Die Forscher konnten aktives Long Covid anhand des Proteinmusters im Blut entdecken.
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Vor drei Jahren begannen Onur Boyman, Professor für klinische Immunologie und Allergologie an der Universität Zürich, und sein Team mit der Suche nach einer "molekularen Signatur" von Long Covid. Jetzt haben sie nicht nur die molekulare Signatur gefunden, sondern auch jene Substanzen, die sich möglicherweise mit einem Bluttest nachweisen lassen. Somit könnten Patienten in Zukunft auf Long Covid getestet werden, um es von anderen Krankheiten zu unterscheiden. Denn bis dato ist Long Covid nicht eindeutig diagnostizierbar.

Long Covid (noch) nicht eindeutig diagnostizierbar

Das Team untersuchte mehr als 6.500 Eiweiße aus dem Blutserum. "Wir wollten herausfinden: Welche Proteine unterscheiden sich am meisten zwischen Long-Covid-Patienten und Genesenen?", so Studienleiter Boyman gegenüber Zeitungen der Tamedia. Sie analysierten das Blut von 113 Covid-Patienten zweimal. Erstmals zum Zeitpunkt der Infektion und sechs Monate später erneut. 40 der untersuchten Personen berichteten von anhaltenden Symptomen und bildeten somit die Long-Covid-Gruppe. Zusätzlich wurde das Blut von 39 gesunden Personen als Kontrollgruppe untersucht.

Knackpunkt Komplementsystem 

Bei der Analyse der Eiweiße fiel vor allem beim so genannten Komplementsystem ein deutlicher Unterschied zwischen den Long-Covid-Betroffenen und gesunden Personen auf. Das Komplementsystem ist ein Teil des angeborenen Immunsystems und hilft normalerweise dabei, Infektionen zu bekämpfen und beschädigte und infizierte Körperzellen zu entfernen. "Bei Patienten mit Long-Covid kehrt das Komplementsystem nicht wie es sollte wieder in den Ruhezustand zurück", erklärte Boyman. Stattdessen bleibt es aktiv und richtet große Schäden an. Die Aktivität führt zu Mikrogerinnseln, schädigt Blutgefäße und zerstört rote Blutkörperchen. Dem Team zufolge bleibt das Komplementsystem aktiv, weil vermehrt Antikörper gegen körpereigene Strukturen oder gegen schlummernde Viren im Körper vorhanden sind. Zudem zeigten die Long-Covid-Patienten erhöhte Blutwerte für Schäden an verschiedenen Körperzellen, einschließlich roter Blutkörperchen, Blutplättchen und Blutgefäßen.

Gibt es bald Long-Covid-Tests?

Plötzlich habe alles Sinn ergeben, sagt Boyman, da die Erkenntnisse sehr gut zu den beschriebenen Symptomen passten. "Es war fast zu gut, um wahr zu sein." Die Erkenntnisse sollen interessierten Diagnostikfirmen zur Verfügung gestellt werden, um so schnell wie möglich einen Test zu entwickeln. Ein solcher Bluttest könnte bereits in ein bis zwei Jahren auf den Markt kommen. "Es gibt bereits Firmen, die Komplement-Inhibitoren entwickeln", betonte Boyman. Diese hemmen die Aktivität bestimmter Komponenten des Komplement-Systems. Genutzt werden sie zur Behandlung gewisser Autoimmunerkrankungen.

red, 20 Minuten
Akt.
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