Ausstellungseröffnung

Nackte Tatsache: In diesem Museum lauern Tod und Erotik

Die erstmals öffentlich gezeigten Zeichnungen von Fotografin Friedl Kubelka lassen tief blicken. Ab 13. Februar sind sie im Belvedere 21 zu sehen.
Anna Wallinger
11.02.2026, 15:49
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Es ist eine dieser Ausstellungen, bei denen man meint, die Künstlerin längst zu kennen – und dann steht man plötzlich vor einem ganz neuen Werkkomplex. Friedl Kubelka, international gefeiert für ihre Fotografie, malt. Und das nicht erst seit gestern. Unter dem Titel "Nicht daheim und doch zu Hause" zeigt das Belvedere 21 von 13. Februar bis 7. Juni rund 150 Zeichnungen und Gouachen – viele davon erstmals öffentlich. Dazu kommen unveröffentlichte Kurzfilme.

Bei der Pressekonferenz bleibt ein Platz leer. Kubelka, 1946 in London geboren, in Ost-Berlin und Wien aufgewachsen, scheut das Rampenlicht. Die Öffentlichkeit überlässt sie lieber ihren Kuratoren Stefanie Reisinger und Dietmar Schwärzler. Die Künstlerin arbeitet im Stillen – konsequent, unbeirrt, seit den 1970er-Jahren. Während sie in der Fotografie eine fundierte Ausbildung genoss, Workshops hielt, Vorträge gab und sogar in der Werbefotografie tätig war, eroberte sie sich die Malerei autodidaktisch. Vielleicht auch als Befreiungsschlag aus den starren Strukturen, wie Kuratorin Reisinger anklingen lässt.

Der Tod und die Menschlichkeit im Fokus

Malen ist bei Kubelka keine Phase, kein Nebenbei. Es ist ein innerer Raum. Ein Ort, an dem Träume und Erinnerungen nebeneinanderstehen dürfen. Das Malen gibt der Künstlerin eine Art Halt und ist persönliche Aufarbeitung, deshalb wurden diese Werke auch so lange unter Verschluss gehalten. In kleinen, oft unscheinbaren Formaten, die es in sich haben. Ihre Gouachen sind dicht, direkt und schonungslos. Sie erzählen von Leben und Schicksalsschlägen, von Sehnsucht, Eifersucht, Lust, Isolation und Ausgelassenheit. Von der Zerbrechlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen. Von der menschlichen Psyche, die Kubelka nicht nur künstlerisch interessiert – sie hat auch eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin absolviert.

Der Tod zieht sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten. Gleich zu Beginn der Ausstellung begegnet man einer Gouache, die einen Suizid zeigt. Kein Schockeffekt, sondern eine nüchterne, fast intime Auseinandersetzung. Kubelka begreift den Tod als Teil des Daseins. In einem ihrer Filme reißt sie sich die Fratze des Todes vom Gesicht – und lacht. Schwarzer Humor als Überlebensstrategie. Ernsthaftigkeit ohne Pathos. Erotik ohne Prüderie. Menschlichkeit ohne Filter.

Ein besonderer Ausgangspunkt für die Ausstellung ist die Wiener Gartengasse im 5. Bezirk. In einem Gemeindebau mit Dachschrägen lebte und arbeitete Kubelka viele Jahre. Dort präsentierte sie den Kurator:innen ihre Gouachen. Die Räume waren eng, beinahe bedrängend – und doch entstanden hier kraftvolle, radikale Bilder. Ein architektonisches Element wurde ins Museum übertragen: die Dachschräge. Sie schafft im Belvedere eine Atmosphäre, die etwas Beengendes, Intimes hat. Fast so, als würde man Kubelkas Atelier betreten.

Ihre Malerei zeigt Referenzen zu Gustav Klimt oder Friedensreich Hundertwasser, mit dem sie auch gemeinsam malte. Doch Kubelkas Handschrift bleibt eigenständig: roh, unmittelbar, psychologisch aufgeladen. Die kleinformatigen Bilder fordern Nähe – und halten sie aus.

"Nicht daheim und doch zu Hause" ist damit mehr als ein Ausstellungstitel. Er beschreibt Kubelkas künstlerische Haltung. Zwischen Fotografie und Malerei. Zwischen Öffentlichkeit und Rückzug. Zwischen Leben und Tod. Und vielleicht ist es gerade diese stille Konsequenz, die ihre Malerei jetzt so laut sprechen lässt.

{title && {title} } wall, {title && {title} } 11.02.2026, 15:49
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