Nacktes Model in der Hitler-Badewanne

Bild: Helmut Graf

Die Albertina fällt immer wieder mit Blockbuster-Ausstellungen auf, die Big Names der Kunstgeschichte manchmal bis zur Langeweile raufund runterspielen. Nun aber präsentiert das Museum eine großartige und fein recherchierte Ausstellung einer Ausnahmekünstlerin, die es noch zu entdecken gilt.

Bereits bei der letzten Documenta in Kassel war sie für mich die Sensation: Lee Miller. Die 1907 geborene Amerikanerin war Topmodel, Spitzenfotografin, wagemutige Kriegsberichterstatterin und Abenteurerin. Berühmt wurde sie durch ein Foto, das sie – am Tag von Hitlers Selbstmord im Führerbunker – als nackte Schönheit in der Badewanne seiner Münchner Wohnung zeigt, mit Hitlerporträt und Militärstiefel als Deko!

Die US-Truppen besetzten auf ihrem Vormarsch München. Miller marschierte mit ihnen und inszenierte mit ihrer Inbesitznahme des Badezimmers hintergründig den Sieg über das Dritte Reich. Sie dokumentierte die Befreiung von Paris, ihren Bericht über die Befreiung des KZ Buchenwald betitelte sie mit „Believe It“. Besonders interessant sind auch ihre Aufnahmen des zerbombten Nachkriegs-Wien. Miller verkörperte den Prototyp der emanzipierten, starken, selbstbewussten Frau. Sie gab ihre Karriere als Supermodel Ende der 20er-Jahre in New York auf, um nach Paris zu gehen – und Schülerin und Kurzzeitfreundin des Surrealisten Man Ray zu werden.

Ihre Schönheit und Intelligenz faszinierten die Pariser Kunstwelt. Picasso porträtierte sie mehrfach. Nach dem Krieg zog sich Lee Miller ins Private zurück. Alkohol und Depression ließen ihr Werk in Vergessenheit geraten. Die Ausstellung zeigt eine geheimnisvolle Künstlerin, deren Leben den Stoff für ein Hollywood-Melodram abgeben würde. Das Interesse ist da – und Cate Blanchett soll für die Rolle der 1977 verstorbenen Lee Miller vorgesehen sein. Ein Bravo der Albertina. Hoch lebe die Kunst.

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