Die Staatsanwaltschaft Graz muss sich derzeit mit immer mehr Anzeigen wegen des Besitzes oder der Weitergabe pornografischer Darstellungen von Minderjährigen auseinandersetzen. Grund dafür ist ein Trend unter Schülern ab zwölf Jahren: Sie sammeln Erotikfotos von Schulkolleginnen und verbreiten diese nicht selten im Internet.
Auch derzeit gebe es eine Anzeige wegen Besitzes oder Weitergabe pornografischer Darstellungen von Minderjährigen, bestätigte Pressesprecher Hansjörg Bacher einen entsprechenden Bericht der "Kleine Zeitung" vom Mittwoch.
Die Direktorin eines Grazer Gymnasiums ist nach den Semesterferien in die Offensive gegangen und informierte die Eltern, dass es an Schulen generell, und auch an ihrer, offenbar bei Schülern ab zwölf Jahren im Trend liege, Erotikfotos von Schulkolleginnen zu sammeln: "Das sind nicht nur Bikinibilder, sondern auch Darstellungen, die an der Grenze zur Pornografie vorbeischrammen", teilte die Direktorin laut Zeitung mit. Vonseiten des Landesschulrates wurde ein aktueller Fall zweier Mädchen, die sich mit ihrem Problem an den Klassenvorstand wandten, bestätigt.
Kinder sind sich der Folgen nicht bewusst
"Wir kennen das Problem mit immer wieder kursierenden Fotos, deren ungewollte Verbreitung heftige Ausmaße annehmen kann, und haben schon in der Vergangenheit an der Schulen immer wieder entsprechende Informationsarbeit für Lehrer und Schüler gemacht um vor den Folgen ", so Michael Samec vom steirischen Landesschulrat. In Kooperation mit der Polizei habe man erst jüngst einen Handlungsleitfaden für Schulen erstellt: die Lehranstalten selbst würden "keine direkte Verantwortung für die Vorfälle" tragen, selbstverständlich müsse jedoch unterstützend eingegriffen werden.
"Mädchen werden einerseits von Burschen überredet, erotische Fotos von sich weiterzugeben, andererseits fertigen sie sehr freizügige oder stark sexualisierte Fotos auch auf Eigeninitiative an und geben sie an Freundinnen und Freunde weiter - ohne sich bewusst zu sein, welche Folgen damit verbunden sein können", schilderte Bacher. Bei der Staatsanwaltschaft Graz seien in den vergangenen Jahren immer wieder Anzeigen eingegangen, weil dann die Nacktfotos der Jugendlichen mit Namensnennung im Internet kursierten. Seit dem Vorjahr registriere er eine Zunahme der Fälle; Zahlen lägen jedoch nicht vor. Er selbst habe bereits einige entsprechende Strafverfahren geleitet, die überwiegend in diversioneller Einigung geendet hätten.