Der 29-jährige Lichtenwörther musste aber auch im Viertelfinale des 250er-Turniers mentale Stärke unter Beweis stellen, nahm Arthur Rinderknech, den Weltranglisten-67. aus Frankreich, in 2:21 Stunden mit 4:6, 6:3 und 6:4 aus dem Bewerb. Damit erreichte die ehemalige Nummer drei der Welt erstmals im Kalenderjahr 2023 ein ATP-Halbfinale.
Im Halbfinale wartet nun das Duell mit dem an Nummer fünf gesetzten Serben Laslo Djere, der Pedro Cachin, die argentinische Nummer drei des Turniers in der Gamsstadt, in zwei Sätzen schlug. Das zweite Halbfinale steht als drittes Spiel nach 11 Uhr auf dem Programm.
Wie schon beim Sieg gegen den Chinesen Zhizhen Zhang startete Thiem verheerend in die Partie. Nach zwei Doppelfehlern im ersten Game hatte Rinderknech wenig Mühe, dem Niederösterreicher gleich den Aufschlag abzunehmen, mit 2:0 davonzuziehen. Im leichten Nieselregen kämpfte sich Thiem dann in die Partie, der aufschlagstarke Franzose schwächelte bei eigenem Service nicht. Beim Stand von 2:4 aus Sicht des US-Open-Siegers von 2020 behielt Thiem die Nerven, wehrte eine weitere Breakchance des 28-Jährigen ab. Für Thiem gab es bei den Aufschlagspielen des Franzosen aber nichts zu holen. Rinderknech verwertete seinen zweiten Satzball, zum 6:4 Thiem haute einen Return ins Netz.
Im zweiten Durchgang wuchs zunächst das Frustpotenzial beim Lichtenwörther. Als Thiem im ersten Rinderknech-Aufschlagspiel das 0:40 verpasste, trat Österreichs aktuelle Nummer drei gegen eine LED-Wand am Rande des Platzes, der Franzose stellte auf 1:1. Danach schwächelte Rinderknech, beim eigenen Service fehlte plötzlich der Nachdruck, der Weltranglisten-67. wurde fehleranfällig. So konnte Thiem im beinahe zehn Minuten dauernden vierten Game seinen sechsten Breakball zum 3:1 nützen. Der Vorsprung stärkte Thiems Selbstvertrauen sichtlich. Plötzlich kam auch die Rückhand longline, der Paradeschlag des Niederösterreichers, wieder. Der Niederösterreicher schaffte humorlos den Satzausgleich – 6:3.
Thiem machte im packenden dritten Satz dort weiter, wo der US-Open-Sieger von 2020 im zweiten Durchgang aufhörte, ließ in Rinderknechs erstem Aufschlagspiel noch einen Breakball liegen, verwertete aber seine dritte Breakchance zum 2:1 – die Vorentscheidung. Denn der Franzose wirkte plötzlich verunsichert und genervt, musste um jeden Punkt kämpfen, und hatte auch das Publikum gegen sich. Thiem nützte den ersten Matchball, weil Rinderknech die Rückhand ins Out setzte – 6:4.