Das Narcos-Game ist so gut wie die TV-Serie

TV-Filme und -Serien, die zu Games werden, floppen gefühlt weit öfter als herkömmliche Spiele. Bei "Narcos: Rise of the Cartels" hat man aber gut gearbeitet.
Es scheint auf den ersten Blick absurd: Die erfolgreiche Dramaserie "Narcos" über kolumbianische Drogenkartelle in den 80ern und 90ern erhält sein Videospiel-Pendant ausgerechnet als rundenbasiertes Strategie-Game. Aber die Vergangenheit hat uns gelehrt, nicht vorschnell zu urteilen. So ist etwa das den Filmen nachempfundene "John Wick Hex" ebenfalls ein rundenbasiertes Strategiespiel und ein echter Kracher geworden.

Und "Narcos: Rise of the Cartels" (Nintendo Switch, PlayStation 4, PC und Xbox One) ist durchaus gut gelungen. Das auch, weil man offenbar den Strategie-Hit XCOM als Vorbild hatte, etwas Komplexität rausnahm und dafür eine Story mit guten Wendungen und zwei verschiedenen Handlungssträngen hinzufügte. So erlebt man den Drogenkrieg einerseits aus der Sicht der Drogenbehörde DEA, andererseits aus der Sicht des Medellín-Kartells.

Zuerst bestreitet man das Spiel mit den Agenten der DEA. Und da zeigt das Spiel auch gleich die taktischen Zähne. Wenn eine Figur den Bildschirmtod stirbt, bleibt sie auch tot. Der Anführer der Gruppe wiederum ist nicht nur die schlagkräftigst ausgestattete Figur, sondern auch die empfindlichste. Stirbt er, ist die Mission gescheitert. Das erfordert ein geschicktes Abwägen, inwieweit man den Anführer nutzt und wann man ihn besser geschützt abseits des Geschehens lässt.

Etwas schade ist, dass sich die Spielfiguren sehr gleichen. Zwar startet man nach der DEA- in die Kartell-Kampagne mit neuen Namen, die Figurenklassen bleiben aber gleich. Unter den fünf Klassen finden sich Späher, Nah- und Fernkampfspezialisten, Hilfseinheiten und Sprengstoffexperten. Wie der Spieler seine Gruppe besetzt, bleibt zwar ihm überlassen, meist ist ein Mix aus allen Klassen aber die beste Lösung.

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Blitzschnelles taktisches Denken

Anfangs skeptisch ist man gegenüber der Spielweise. "Narcos: Rise of the Cartels" spielt sich nicht nur rundenbasiert, sondern auch pro Spielfigur. Heißt: Als Spieler bewegt man sich mit einer Figur oder führt Aktionen aus, dann ist der Computergegner mit einer Figur dran, bevor man selbst wieder die nächste Figur steuern darf. Wer denkt, dass das langsam abläuft, irrt, denn es gibt kaum Wartezeiten bei den Zügen und die beschränkten Möglichkeiten erfordern blitzschnelles taktisches Denken.

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Die Steuerung des Strategietitels ist eingängig: Zuerst wählt man die gewünschte Einheit aus, dann lässt man sie eine begrenzte Anzahl von Feldern vorrücken. Als Agenten etwa gilt es so, Häuser und Fahrzeuge nach Beweisen zu durchsuchen, Zielpersonen anhand von Fahndungsfotos zu identifizieren oder Zeuge von Drogenübergaben zu werden. Wird man entdeckt oder soll ein Ziel ausschalten, wechselt das Spiel in den Kampfmodus.

Perspektivenwechsel bei Schussgefechten



Geht es ans Eingemachte, wird nicht mehr in der isometrischen Perspektive gespielt, sondern mit einer Über-die-Schulter-Kamera. Anders als die meisten Strategiespiele mit dieser Ansicht kann man sich dann nicht auf automatische Treffer mit Prozent-Wahrscheinlichkeiten verlassen, sondern muss fast Shooter-gleich selbst auf den Feind zielen und abdrücken. Eine willkommene Abwechslung, bei der bei der Genauigkeit noch etwas nachgefeilt werden müsste. Das Fadenkreuz springt gerne einmal im letzten Moment vom Ziel weg.

Bei den Funktionen abseits der rundenbasierten Spielzüge wäre auch etwas mehr drin gewesen. So lassen sich keine Technologien erforschen oder Fundstücke untersuchen, einzig Personal kann man für die nächste Mission rekrutieren. Dafür wechseln die Ziele der Mission schön durch: Im späteren Verlauf nimmt die Action zu, Geiseln müssen befreit, Zielpersonen ausgeschaltet oder Drogenübergaben spektakulär gestoppt werden. Die eigenen Spielfiguren leveln sich – ihr Überleben vorausgesetzt – in den Einsätzen immer weiter auf und entwickeln so bessere Waffen- oder Schleich-Fähigkeiten.

So gut wie die Serie

Grafisch hat man sich nicht lumpen lassen. Die Videosequenzen sind detailreich ausgefallen, die Spielgrafik selbst ist zwar nicht Hochglanz, begeistert aber mit ebenso vielen Details, gut gestalteten Figuren, realistischen Animationen und einem Hauch eines fast handgezeichneten Looks. Auch die Sprecher leisten großartige Arbeit und die Umgebungen wurden liebevoll an die bekannten Schauplätze der Serie angelehnt.

Narcos: Rise of the Cartels
Narcos: Rise of the Cartels


Wünschenswert wären für Profis etwas dramatischere Auswirkungen gescheiterter Einsätze gewesen. Wird in einer Mission beinahe das gesamte Team ausgelöscht, sammelt man gleichzeitig genug Geld und Erfahrung, um sich eine neue Truppe zusammenzukaufen. Und auch der Wiederspielwert ist nicht so hoch wie bei anderen Titeln, denn kennt man eine Mission, ist die Spannung des Unbekannten dahin. Bis auf diese eher kleinen Kritikpunkte kommt "Narcos: Rise of the Cartels" aber an die Qualität der Serie heran und wird nicht nur Fans gefallen.

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