Sensation aus der Urzeit

Neandertaler standen auf moderne Frauen

Eine neue Studie zeigt: Neandertaler-Männer hatten offenbar eine Vorliebe für Frauen des modernen Menschen. Das verraten ihre Gene.
Technik Heute
28.02.2026, 09:54
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Dass sich der Neandertaler und der moderne Mensch vermischt haben, ist längst bekannt. Noch heute tragen fast alle Menschen außerhalb Afrikas ein bis drei Prozent Neandertaler-DNA in sich. Doch jetzt liefert eine neue Studie im Fachjournal "Science" überraschende Details darüber, wie diese Vermischung ablief.

Ein Forschungsteam um Alexander Platt von der University of Pennsylvania hat Gendaten von Neandertalern und modernen Menschen analysiert. Das Ergebnis: Männliche Neandertaler zeugten offenbar bevorzugt Kinder mit Frauen des modernen Menschen - während Neandertalerinnen umgekehrt deutlich weniger Interesse an Homo-sapiens-Männern zeigten.

Wie spektrum.de berichtet, fiel den Forschern dabei ein besonderes Ungleichgewicht auf: Auf den X-Chromosomen von Neandertalerfrauen findet sich überraschend viel DNA des modernen Menschen. Bei einer 120.000 Jahre alten Neandertalerin aus dem Altai-Gebirge in Sibirien war der Anteil moderner Menschengene auf dem X-Chromosom 1,62-mal höher als im restlichen Erbgut.

Rätselhafte Lücken im Erbgut

Das passt zu einer weiteren rätselhaften Beobachtung: Im Erbgut heutiger Menschen gibt es sogenannte "Neandertaler-Wüsten" - also Bereiche, in denen kaum oder gar keine Neandertaler-DNA vorkommt. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen ausgerechnet auf dem X-Chromosom.

Die Forscher prüften verschiedene Erklärungen. Natürliche Selektion scheidet laut der Studie aus, weil die modernen Gensequenzen bei den Neandertalern in funktionslosen Bereichen liegen. Auch rein molekularbiologische Unverträglichkeiten können das Muster nicht vollständig erklären.

Vorlieben über Generationen hinweg

Die plausibelste Erklärung laut Platt und seinem Team: Die Vermischung folgte einem Muster der Vorlieben. Neandertaler-Männer bevorzugten Frauen des modernen Menschen - und das nicht nur einmal, sondern über viele Generationen hinweg.

Kay Prüfer vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig hält solche Vorlieben für möglich, betont aber: "Wie so oft in der Natur können durchaus mehrere verschiedene Faktoren von Migrationen größerer Gruppen bis zu molekularbiologischen Mechanismen das X-Chromosom von Neandertaler-DNA nahezu befreit und andernorts eingebrachtes Erbgut begünstigt oder benachteiligt haben."

Bis die genaue Geschichte der Vermischung zwischen Neandertalern und modernen Menschen vollständig geklärt ist, wird noch viel Forschungsarbeit nötig sein. Eines zeigt die Studie aber schon jetzt: Auch in der Steinzeit spielten Vorlieben bei der Partnerwahl offenbar eine größere Rolle als bisher gedacht.

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