Fragwürdiges Aufnahmeritual

Neuankömmlinge an Elite-Uni zum Komasaufen gezwungen

Studienanfänger müssen sich durch massiven Alkoholkonsum beweisen – mehrere davon landeten anschließend im Spital.

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Neuankömmlinge an Elite-Uni zum Komasaufen gezwungen
An der Otto Beisheim School of Management WHU werden Studienanfänger regelmäßig von Mitstudierenden zum exzessiven Saufen gezwungen. (Archivbild)
Thomas Frey / dpa / picturedesk.com

Saufen, kotzen, saufen, kotzen: So in etwa lässt sich beschreiben, was von Erstsemester-Studierenden an der Otto Beisheim School of Management WHU im deutschen Vallendar von ihren Mitstudierenden verlangt wird, um in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Viele von ihnen sprechen von erniedrigenden Ritualen, die ihnen gleich zu Beginn ihrer Studienzeit abverlangt wurden. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtete mehrfach.

Dass Studierende während ihrer Studienzeit zu Alkoholexzessen neigen, ist erst mal nichts Ungewöhnliches. Dass sie aber regelrecht von ihren Kommilitonen, die sogar als Paten für die Neulinge auserkoren wurden, dazu gezwungen werden, schon. Die Paten wurden eigentlich von der Uni dazu bestimmt, den Erstsemestrigen beim Start ins Unileben behilflich zu sein.

Nackt, eingesperrt und volltrunken

Mehrere Studierende berichten beispielsweise unabhängig von folgendem Aufnahmeritual, das im Uni-Sprech als "Rohrbruch" bezeichnet wird. Dabei werden die Erstsemestler dazu gezwungen, große Mengen Bier zu exen, und das immer wieder. Währenddessen wird sich in ein WC oder einen Eimer erbrochen. Während des Rituals werden die Studierenden in einen Raum gesperrt, aus dem sie nicht heraus können. Auch wenn sie "Lasst mich raus" rufen.

Auch beim Ritual "Papst" werden Studierende in einem Raum eingesperrt und anschließend zum Saufen und Kotzen gezwungen – in einen Eimer, der eben als Papst bezeichnet wird. Vorher mussten die Neulinge die Handys abgeben, damit niemand filmt. Manche hätten sich dabei komplett ausziehen müssen, immer wieder würde man gezielt gedemütigt. Einer von ihnen sagte dazu: "Ich habe an der WHU das Kotzen gelernt."

Student landet nach Saufzwang im Spital

Die WHU gilt als eine der deutschen Elite-Unis, Top-Manager und Start-up-Gründer haben hier studiert. Die Studiengebühren von 8.500 Euro pro Semester machen sie zu einer der teuersten Universitäten des Landes. Nur 2.000 Studierende sind derzeit dort eingeschrieben. Die Uni verfügt also über ein hohes Renommee.

Dementsprechend schlecht machen sich Negativschlagzeilen – denn im Herbst 2023 landete schließlich einer der "Erstis", wie man in Deutschland zu Neustudierenden sagt, wegen des Saufzwangs im Spital. Daraufhin wurden die Paten, die den Studenten zum Trinken zwangen, von der Uni geworfen. Auch dass sie anschließend gegen den Rauswurf vor Gericht klagten, änderte daran nichts.

Uni wusste schon lange Bescheid

Laut Recherchen des "Spiegel" wusste man an der WHU aber schon lange vor dem Vorfall von den Schikanen gegenüber den Studienanfängern – und das, obwohl sie angab, von alldem nichts gewusst zu haben. Beweise finden sich beispielsweise in einem Mailwechsel.

Die Mutter einer Studentin hatte sich bereits 2021 an den stellvertretenden Rektor der WHU, Christian Hagist, gewandt. Ihre Tochter verließ die Uni nach nur sechs Tagen, in denen sie beleidigt wurde und körperliche Übergriffe erleiden musste. Andere Studenten landeten wegen des Saufzwangs im Spital.

Der Rektor verurteilte die Praxis zwar, sagte damals aber auch, man dürfe als Hochschule nicht in das Privatleben der Studenten eingreifen. Auch eine andere Mail an Erstsemestler aus dem Jahr 2018 zeigt, dass die Uni sehr wohl Bescheid wusste: Dort bot sie den Erstis ihre Hilfe an, falls jemand zu etwas gezwungen würde.

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    Sabine Hertel

    Auf den Punkt gebracht

    • An der Otto Beisheim School of Management in Deutschland werden Neuankömmlinge im ersten Semester regelmäßig von Mitstudierenden zu exzessivem Alkoholkonsum gezwungen
    • Dabei müssen sie weitertrinken, auch wenn sie sich bereits übergeben haben
    • Mehrere Verantwortliche flogen 2023 von der Uni, diese wusste aber schon viel länger Bescheid
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