Ein oft vergessener Künstler

Neue Albertina-Schau: Nackte Frauen und brennende Bäume

Bis Ende 2024 ist Klaus Albrecht Schröder noch Direktor der Wiener Albertina, nun präsentiert er seine bisher persönlichste Ausstellung.

Magdalena Zimmermann
Neue Albertina-Schau: Nackte Frauen und brennende Bäume
Klaus Albrecht Schröder
Helmut Graf

"Ich habe ihn nicht nur persönlich kennengelernt, ich war mit ihm ganz eng befreundet", verrät Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder seine Beziehung zum österreichischen Materialkünstler im Gespräch mit "Heute", "Denn zu den häufigsten unangenehmen Fragen, die mir in den letzten 40 Jahren gestellt wurden, gehörten immer die nach Entdeckungen. Nach noch unbekannten, unterberwerteten Künstlern." Somit hat er Grabmayr eine eigene Ausstellung gewidmet: Um ihn auf das Podest zu heben, das ihm laut Schröder zusteht.

Franz Grabmayr war ein guter Freund von Albertina Direktor Klaus Albrecht Schröder.
Franz Grabmayr war ein guter Freund von Albertina Direktor Klaus Albrecht Schröder.
Helmut Graf

So ist und war der Kärntner Franz Grabmayr, der im Mai 2015 verstorben ist, kein großer Star der Branche, wurde lange Zeit unterschätzt. Doch Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder sieht in ihm "den wahrscheinlich interessantesten österreichischen Materialkünstler, den es überhaupt gibt." Für seine Werke, die sich stets um die vier Elemente drehen, erwirbt er Farbe in riesengroßen Säcken, mischt sie mit Leinöl und Eiern. Die Gemälde wiegen schlussendlich zum Teil über 100 Kilogramm.

Bildstrecke: Franz Grabmayr in der Albertina

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    Klaus Albrecht Schröder präsentiert seine "persönlichste Ausstellung".
    Klaus Albrecht Schröder präsentiert seine "persönlichste Ausstellung".
    Helmut Graf

    Echt schwere Kost...

    "Für ihn ist das Pigment nicht nur Farbe, sondern auch etwas, was den Tastsinn anspricht, man möchte das Bild sehen und angreifen, weil er zentimeterdick, die Farbe aus Kübeln, mit der Spachtel aufträgt und dann ein Relief schafft, welches wir von der Malerei nicht kennen", erklärt Schröder das Schaffen von Grabmayr. Die Albertina hat für die 27 Werke, die bis zum 13. Oktober ausgestellt werden, eigene Halterungen angebracht: "Die Bilder haben teilweise eigene Träger, weil sie sonst an der Wand nicht halten würden."

    Wenn man die Aquarelle dazu sieht, dann sieht man keine Hüften, keine Knie, keine Köpfe und keine Gesichter
    Klaus Albrecht Schröder
    Direktor der Albertina

    Als Inspiration dienen dem Künstler, der in ärmlichen Verhältnissen auf einem Bergbauernhof in Obervellach aufgewachsen ist, dient ihm die Natur. Mal lässt er nackte Frauen wild und ungestüm tanzen: "Wenn man die Aquarelle dazu sieht, dann sieht man keine Hüften, keine Knie, keine Köpfe und keine Gesichter. Hier ist es wieder nur die Energie, die ihn interessiert und nicht der visuelle Eindruck." Mal setzt er riesige Wurzelstöcke von Bäumen in Feuer: "Dadurch wurden sechs bis sieben Meter hohe Flammen freigesetzt und genau diese Urgewalt hat ihn angesprochen."

    Zeit seines Lebens konnte Grabmayr nichts bändigen, auch die Kunst nicht. Doch dieser hat er sich erst komplett in seinen 40ern gewidmet. "Sonst sind Künstler in diesem Alter längst gesettelt und waren in ihren junge 20ern revolutionär. Und er hat in höherem Alter plötzlich etwas geschaffen, was nur die radikalsten Materialkünstler schaffen."

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      instagram/alessandraambrosio

      Auf den Punkt gebracht

      • Der Direktor der Wiener Albertina, Klaus Albrecht Schröder, präsentiert eine persönliche Ausstellung des österreichischen Materialkünstlers Franz Grabmayr, der lange Zeit unterschätzt wurde
      • Die Ausstellung zeigt 27 Werke, die sich um die vier Elemente drehen und bis zum 13 Oktober zu sehen sind, darunter Gemälde, die über 100 Kilogramm wiegen und eigene Halterungen benötigen
      • Grabmayr ließ sich von der Natur inspirieren und schuf Werke, die die Urgewalt der Natur widerspiegeln
      mz
      Akt.