Neue Teiche und "Bio-Määher" für klimafitte Donauinsel

Innovationsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) will die Donauinsel klima-fit machen.
Innovationsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) will die Donauinsel klima-fit machen.PID/Christian Fürthner
Im Kampf gegen den Klimawandel rüstet die Stadt nun auf der Donauinsel auf: Teiche sollen das Mikroklima verbessern, auch die Schafe kehren wieder.

Auch wenn sich derzeit (fast) alles um die Corona-Pandemie und die Schutzimpfung dreht, der Klimawandel schläft nicht. Um auf den nächsten Hitzesommer vorbereitet zu sein, rüstet die Stadt Wien-Wiener Gewässer nun mit neuen Plänen für eine klimafitte Donauinsel auf. "Das Jahr 2020 war das fünfwärmste Jahr der Messgeschichte, der Klimawandel setzt auch den Naturräumen Wiens zu, so auch der Donauinsel. Wir arbeiten intensiv an Maßnahmen dagegen. So drohen kleine Teiche, die wertvolle Biotope sind, hitzebedingt auszutrocknen. Sie werden revitalisiert, neue Teiche angelegt. Auch die schon berühmten Insel-Schafe kommen wieder als natürliche Rasenmäher zum Einsatz. Und für die Besucherinnen und Besucher wird es coole neue Sitz- und Aussichtsplätze geben", erklärt die, für die Donauinsel zuständige, Innovationsstadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Mit einem breiten Maßnahmenpaket sollen gleichzeitig der Pflegeaufwand gesenkt, der CO2-Ausstoß der Pflegemaßnahmen verringert und das Mikroklima auf der Donauinsel verbessert werden. Das bis 2023 laufende Projekt wird im Rahmen des LIFE-Teilprogramms Klima von der EU gefördert, das Projektbudget beträgt rund zwei Millionen Euro, die Hälfte davon wird von der EU übernommen.

Neue Teiche für das Mikroklima und den ökologischen Lebensraum

Bei der Gestaltung der Donauinsel in den 1970er- und 1980er-Jahren wurden einige Donau-Altarme wie etwa der "Tote Grund" erhalten und zahlreiche kleinere Teiche künstlich angelegt. Sie entwickelten sich zu wertvollen Lebensräumen für seltene Tier- und Pflanzenarten. Doch durch die immer heißer werdenden Sommer drohen kleinere Teiche auf der Insel auszutrocknen. Aus diesem Grund werden heuer zwei neue Teichbiotope auf der Insel errichtet und weitere, bereits vorhandene Teiche, die auszutrocknen drohen, revitalisiert.

Zu den neuen Gewässern zählt etwa das Tritonwasser im mittleren Teil der Donauinsel. Mit einer Größe von zwei Hektar ist es der größte künstliche Teich auf der Donauinsel. Für die Besucher soll es als neue Attraktion eine Aussichtsplattform auf das Tritonwasser geben. Die Fertigstellung ist für Herbst 2021 geplant. Für den kleinen Endelteich im Norden ist ein mit einem Windrad angetriebenes Bewässerungssystem vorgesehen.

Klima-Gärten zeigen saisonalen Zyklus von Pflanzen und Klima

Ebenfalls bereits in Planung befinden sich drei sogenannte phänologische Gärten auf der Donauinsel. Die Phänologie untersucht Zusammenhänge zwischen dem saisonalen Zyklus von Pflanzen und dem Klima. Im Frühjahr werden heimische Baum- und Straucharten an drei verschiedenen Orten auf der Donauinsel gepflanzt. Mittels Info-Tafeln werden die BesucherInnen der Donauinsel eingeladen, diese Bäume und Sträucher im Wechsel der Jahreszeiten zu beobachten.

Mit dem Wiener Tag der Artenvielfalt im Juni, mit Klima-Tagen für Schülerinnen und Schüler sowie Informationsmöglichkeiten vor Ort sollen die DICCA-Maßnahmen auf der Donauinsel in diesem Jahr verstärkt den Wienerinnen und Wienern bekannt gemacht werden – soweit es die Corona-Situation erlaubt.

Auch wenn einige Projekte coronabedingt verschoben werden mussten, wurden 2020 eine Reihe von sichtbaren Teilprojekten und Maßnahmen auf der Donauinsel verwirklicht. Vor allem die Schafherde im Norden, die zur Wiesenpflege eingesetzt wird, ist inzwischen zum Markenzeichen des EU-Projekts LIFE DICCA geworden.

Määh: Insel-Schafe kehren als umweltfreundliche Rasenmäher zurück

Bereits seit 2019 grasen von Mai bis November 70 Krainer Steinschafe ganz im Norden der Donauinsel. Die Schafe werden von der Stadt Wien gemietet und als umweltschonende Rasenmäher auf den wenig gemähten Wiesen im nördlichen Teil der Insel eingesetzt.

2020 haben die Schafe eine Fläche von 14 Hektar abgegrast, das entspricht der Fläche von rund 20 Fußballfeldern. Ein begleitendes Monitoring zeigt auf den beweideten Wiesen ein stark erhöhtes Aufkommen von Insektenarten im Vergleich zu maschinell gemähten Wiesen. Auch heuer kommen die wolligen "Bio-Määher" wieder zum Einsatz.

Klima-beständige Wildobstwiese und Bienenstöcke

25 Wildobstbäume wurden im Mai 2020 auf einer großen Wiesenfläche und an der Uferböschung in der Nähe der Kaisermühlenbrücke (Donaustadt) gesetzt. Bei den Bäumen handelt es sich um alte und daher ökologisch besonders wertvolle Wildobstsorten: Holzapfel, Vogelbeere, Steinweichsel, Weiße und Schwarze Maulbeere und Edelkastanie. Die neu gepflanzten Baumarten halten Trockenheit und Hitze gut aus. Sie sind daher für die Anpassung an den Klimawandel im städtischen Bereich besonders gut geeignet.

18 Bienenvölker gibt es seit dem Frühjahr 2020 auf der Donauinsel: 10 neue Bienenstöcke stehen auf der Wiese bei der Inselinfo, acht Bienenstöcke am Wehr 1 bei der Schleusenbrücke (Donaustadt). Honigbienen und Wildbienen sorgen für die Bestäubung eines Großteils aller Pflanzen und sind daher für das Ökosystem von größter Bedeutung. Betreut werden die Bienen von einem Bio-Imker, seit September 2020 ist auch der erste köstliche Insel-Honig erhältlich.

Fünf kühlende begrünte Holzpergolen mit Sitzelementen

In der Nähe der Kaisermühlenbrücke wurden im Herbst 2020 fünf imposante Holz-Pergolen mit Sitz- und Liegegelegenheiten errichtet. Sie werden an sommerlichen Hitzetagen für Schatten und mittels sogenannter Gradierwände für ein kühlendes Mikroklima sorgen. Durch ihre besondere Lage bieten sie zudem einen tollen Ausblick auf die Donau.

An jedem Eckpfeiler der Holzpergolen klettern Ranken empor, die das gesamte Dach und die Seitenwände begrünen werden. Da drei der fünf Holzbauten mit ihren begrünten Dächern auf einer bis dato versiegelten Fläche gebaut wurden, wird auf diese Weise Neues Grün auf einer Fläche von rund 210 Quadratmeter geschaffen.

Im Herbst 2019 wurden fünf meteorologische Messstationen auf der Donauinsel installiert und in Betrieb genommen. Damit können detaillierte Aussagen über Wetter, Witterung und mikroklimatische Verhältnisse auf der Donauinsel getroffen werden. Die Messstationen werden mit Strom aus Solarpanelen gespeist.

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