Schulen werden gesperrt, Unterricht findet nur daheim über das Internet statt, Universitäten werden geschlossen und Reisen verboten: Was in Peking gerade passiert, erinnert dramatisch an den ersten Corona-Ausbruch, doch die Geschichte wiederholt sich nun bei einer zweiten Welle. Wer Peking derzeit verlassen will, muss einen negativen Corona-Test vorweisen können - Bewohner von Gegenden mit mittlerem und hohem Risiko dürfen die Stadt gar nicht verlassen.
Zwei Monate lang wurden keine neuen Ansteckungen in Peking festgestellt worden, nun gibt es alleine 27 an einem einzigen Tag. Auch in angrenzenden chinesischen Provinzen wurden neue Corona-Infektionen gemeldet. Die Behörden reagieren nun weiters mit der Schließung großer Geschäfte und Märkte und desinfizieren kleinere Läden regelmäßig. Laut chinesischen Angaben gibt es Desinfektions-Teams in fast 300 Märkten und 33.000 Geschäftslokalen.
Wer direkt neben einem gesperrten Großmarkt wohnt, darf derzeit gar nicht mehr auf die Straße gehen - es soll sich um Tausende Bewohner von rund 30 Wohnblöcken handeln. Großveranstaltungen wurden abgesagt, Veranstaltungs- und Sportstätten gesperrt. Auch Taxis und Fahrdienste dürfen nicht mehr benutzt werden. Peking wolle nun bis zu 100.000 Personen pro Tag auf das Coronavirus testen.
Die vermutlich zweite Corona-Welle schürt weltweit Sorgen. Nicht nur dass der Ausbruch trotz strenger Beschränkungen plötzlich kommt, auch könnte das Virus mutiert und damit noch ansteckender geworden sein. Nur zwei Monate nachdem das neuartige Coronavirus ausgebrochen war, gab es erste Berichte, dass das Sars-CoV-2 mutiert sei. Die Meldungen stammten unter anderem aus Italien, aber auch aus Brasilien.
Doch nun berichten Forscher vom Scripps Research Institute in Florida von einer neuen Mutation des Virus, die der Grund dafür sein könnte, dass frühe Ausbrüche von Covid-19 weniger dramatische Folgen gehabt hätten als solche etwa in Italien oder New York. So könnte die Veränderung Sars-CoV-2 noch ansteckender machen als in der Ursprungsform. Die Mutation – D614G genannt – erhöht der noch nicht von externen Fachleuten begutachteten Studie zufolge die Zahl der Stacheln an der Außenhaut des Virus. Teilweise um das Vier- bis Fünffache, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt.
Weil das Virus diese Stacheln für das Andocken im Körper benötigt, gehen die Forscher davon aus, dass der Erreger dadurch infektiöser geworden ist. Tests mit harmlosen Virentypen bestätigen das: "In unseren Zellkulturen waren die Viren mit dieser Mutation viel infektiöser als die ohne sie", so Hyeryun Choe, Co-Autorin der Arbeit, in einer Mitteilung. Ob die Veränderung der Virushülle tatsächlich Auswirkung auf den Verlauf der Pandemie hat, werden die nächsten Wochen und Monate zeigen, so die Forscher. Zumindest die starke Verbreitung und hohe Coronavirus-Ansteckung in den USA ließe sich aber dadurch erklären.
"Es ist wichtig, weil es zeigt, dass sich das Virus zu seinem Vorteil und wahrscheinlich zu unserem Nachteil verändert. Bisher hat es einen guten Job gemacht, sich an die menschliche Kultur anzupassen", so der Molekularbiologe William Haseltine gegenüber CNN.com. Die gesteigerte Infektiosität bedeute aber nicht, dass das Virus zu schwereren Symptomen bei Infizierten oder einer höheren Todesrate führe, erklären die Forscher. Um darüber Auskünfte geben zu können, bedürfe es weiterer Studien.