Neuer Leitfaden für Umgang mit Religionen

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Nach der Debatte um die Islam-Kindergärten soll der neue Leitfaden für Religionen und kulturelle Werte in Zukunft für mehr Klarheit sorgen.

Die Stadt Wien stehe für eine offene und vielschichtige Gesellschaft – "mit einem sicheren Fundament aus eindeutig definierten Werthaltungen", so lauten die einleitenden Worte des neuen Leitfadens.

„Mit diesem Leitfaden machen wir deutlich, welche Werthaltungen uns als Stadt in der pädagogischen Arbeit in unseren Kindergärten wichtig sind", betont Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky. Erst die Einhaltung dieser Werte würden eine kultur- und religionssensible Bildung ermöglichen.

Grundsätze und Grundwerte

Einhalten müssen die Kindergärten vor allem vier Grundsätze: Alle müssen akzeptieren, dass der demokratische Rechtsstaat und seine Gesetze gegenüber religiösen Vorschriften Vorrang haben. Religiöse und nichtreligiöse Menschen sind gleichberechtigt. Ebenso sind beide Geschlechter gleichberechtigt. Erwartet wird Offenheit und Dialogbereitschaft. Religiöse Einrichtungen müssen diese Grundsätze nicht nur in ihren Statuten festhalten, sie müssen sie auch im Alltag glaubhaft umsetzen und leben.

Verpflichtende Darlegung religiöser Erziehung

Sollte sich ein Kindergarten in der pädagogischen Praxis an einer Glaubensrichtung orientieren, so ist das den Eltern klar und verständlich zu erklären, wie es im Alltag stattfindet.

Indoktrinierung und Zwangsausübungen verboten

Klar abgelehnt werden im neuen Leitfaden eine ideologische Indoktrinierung der Kinder oder andere Zwangsausübungen: „Methoden wie Indoktrinieren, Ausüben von Zwang oder Abwerten von Personen anderer ethnischer Herkunft, anderer religiöser oder weltanschaulicher Ausrichtung oder auf Grund ihres Geschlechts sind verboten.", so heißt es im Leitfaden.

Christoph Wiederkehr, Bildungssprecher von NEOS Wien, zeigt sich erfreut. „Wir haben schon seit längerem gefordert, dass die Einrichtungen den Eltern klar darlegen müssen, ob und wie religiöse Erziehung bei ihnen vermittelt wird. Für ideologische und religiöse Indoktrinierung der Kinder darf in den Bildungseinrichtungen kein Platz sein. Nun ist die Stadt aber gefordert, die Einhaltung des Leitfadens auch ordentlich zu kontrollieren. Nach den zahlreichen Missständen, die in letzter Zeit in Wiener Kindergärten aufgetaucht sind, muss entschlossen darauf geachtet werden, dass die Richtlinien nicht nur auf Papier existieren, sondern auch in der Realität gelebt werden", so der Bildungssprecher.

Gesetz und Bildungsplan

Entsprechend den Vorgaben des Bildungsplans wird bei Kontrollen in Kindergärten und Kindergruppen bereits jetzt jede Form der Religionsvermittlung hinterfragt: Religion muss ausnahmslos altersadäquat vermittelt werden. Lernen nach einem festen Zeitplan ist dabei nicht erlaubt. Feste, Bräuche und Rituale aus unterschiedlichen Kulturen fließen in die pädagogische Arbeit ein. (bai)

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