Die Arbeiterkammer Niederösterreich schlägt Alarm: Immer mehr Billigkräfte aus dem Ausland übernehmen hochqualifizierte Pflegeleistungen. Für die Patienten bedeutet das ein Sicherheitsrisiko, warnt Experte Bernhard Rupp. Und die Situation wird sich weiter verschlimmern.
Schlecht oder gar nicht ausgebildete Pflegerinnen aus Osteuropa, die ihre Schützlinge aufgrund der Sprachbarriere kaum verstehen und zu Hungerlöhnen arbeiten. So stellt sich laut AKNÖ die Situation in der Hauskrankenpflege dar, zwei Jahre nach Ende der Amnestie. Seit damals wurden 22.000 Gewerbescheine von Betreuern gelöst.
Bernhard Rupp, Experte der Arbeiterkammer: Dabei handelt es sich meist um Frauen aus der Slowakei und Ungarn, die zum Teil sehr kranke Personen betreuen. Neben den arbeitsrechtlichen Fragen, die noch immer ungeklärt sind, handelt es sich auch um ein Sicherheitsrisiko. Denn laut Rupp verabreicht das Pflegepersonal zumeist auch Medikamente. Durch die Sprachbarriere kommt es dabei immer wieder zu Irrtümern. Rupp: Die Beipacktexte der Medikamente sind auf Deutsch verfasst. Besonders für 24-Stunden-Kräfte muss eine Medikamenten-Hotline in ungarischer und slowakischer Sprache geschaffen werden.
Eindringlich warnt der Experte auch vor einem neuen Pflegenotstand im Jahr 2011. Durch das Ende der Übergangsbestimmungen für Arbeitnehmer aus den neuen EU-Mitgliedsstaaten droht der Kollaps des Systems. Rupp: Viele derzeitige Pflegerinnen dürfen dann auch in anderen Berufen hier arbeiten und werden sich besser bezahlte Jobs suchen.
Oswald Hicker