Beobachter gehen seit Tagen davon aus, dass der russische Präsident Wladimir Putin eine neue Welle von Rekrutierungen plane. Wie HUR-Vertreter Andriy Chernyak gegenüber t-online angab, soll diese rund 500.000 Personen umfassen, also deutlich größer sein als die letzte Teilmobilmachung. Verkündet werde sie am 15. Jänner. Im Gegensatz zur letzten Einberufung von Dienstpflichtigen, die vor allem Personen aus entfernten russischen Regionen betraf, sollen nun auch Personen aus den großen Städten wie Moskau oder St. Petersburg eingezogen werden.
Sollte es dazu wirklich kommen, ist das besonders brisant von Putin, denn der Kriegstreiber hatte eine neue Mobilisierung in der Vergangenheit vehement verneint. Gleichzeitig steht Putin in der Kritik, da er zwar großspurig eine Feuerpause in der Ukraine angekündigt hatte, dennoch aber weitergeschossen wurde. Nach Spekulationen, ob dies auf Putins Geheiß passierte oder die Truppen einfach seinen Befehl ignorierten, musste der Machthaber schließlich eingestehen, dass die Feuerpause gebrochen wurde. Und nun kommt auch noch Druck vom wichtigsten Partner Russlands.
In der belarussischen Opposition mehren sich Sorgen vor einer möglichen Mobilmachung in ihrem Land zur Unterstützung von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Der im Warschauer Exil lebende Oppositionspolitiker Pawel Latuschka sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), die Vorbereitungen dafür seien weit fortgeschritten. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko brauche nur noch auf Befehl des Kremls auf den Knopf zu drücken, um mit der Mobilmachung zu beginnen. Hochrangige Mitarbeiter in Belarus hätten bereits ihre Pässe abgeben müssen.
"Das bedeutet, dass diese Personen das Territorium von Belarus im Falle ihrer Mobilisierung nicht mehr verlassen können", sagte Latuschka. Man könne zudem beobachten, dass die russische Militärpräsenz in Belarus ständig wachse. Das betreffe die Zahl der Soldaten und die Ausrüstung. "Militärübungen der russischen Streitkräfte, einschließlich Übungen zur Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften Russlands und von Belarus finden regelmäßig statt", sagte Latuschka. Bleiben die russischen Verluste in der Ukraine weiterhin hoch, könnte Putin den Präsidenten-Bogen bald überspannen.