Fussball

Neuer Red-Bull-Boss will schweigen wie Mateschitz

Oliver Mintzlaff wird Sport-Boss im Red-Bull-Imperium. Jetzt gibt er sein erstes und wohl letztes Interview nach dem Tod von Dietrich Mateschitz.

Sebastian Klein
Dietrich Mateschitz und Oliver Mintzlaff.
Dietrich Mateschitz und Oliver Mintzlaff.
imago/Jan Huebner

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz ist tot. Der Unternehmer erlag im Oktober im Alter von 78 Jahren einem Krebsleiden. Jetzt stellt sich der Konzern neu auf. Vieles ist noch ungewiss – Red Bull gibt sich traditionell schmallippig. Bis jetzt. Oliver Mintzlaff, designierter Sport-Boss im Unternehmen, bricht jetzt das Schweigen. Allerdings, wie er dabei verrät, wohl vorerst zum letzten Mal.

Der 47-Jährige wird von Leipzigs Mastermind zum allumfassenden Sport-Mastermind befördert.

Denn, so der 47-Jährige: "Ich werde grundsätzlich keine Interviews mehr geben." Er wird den Weg von Mateschitz weitergehen, der sich als Boss in der Öffentlichkeit rar gemacht hat.

    Dietrich Mateschitz starb im Oktober 2022 im Alter von 78 Jahren. Der Red-Bull-Gründer war der reichste Österreicher, baute ein Sport-Imperium auf. Wir erinnern uns an seine besten Sprüche und Lebensweisheiten.
    Dietrich Mateschitz starb im Oktober 2022 im Alter von 78 Jahren. Der Red-Bull-Gründer war der reichste Österreicher, baute ein Sport-Imperium auf. Wir erinnern uns an seine besten Sprüche und Lebensweisheiten.
    GEPA

    So will er Sport-Segment leiten

    Über seine neue Tätigkeit als Sportboss im Konzern gibt sich Mintzlaff zugeknöpft, lässt sich aber doch einige Details entlocken, die durchblicken lassen, wie die neue Ausrichtung aussehen soll.

    Spannend: "Ich kann ausschließen, dass wir noch einen Fußballklub kaufen. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Netzwerk, arbeiten intensiv daran, die Standorte in Bragança, New York und Leipzig noch besser miteinander zu vernetzen. Gerade die amerikanische MLS ist eine schwierige Liga, der Salary Cap erschwert es, viele gute Spieler zu verpflichten. So bekommst du im Vergleich zu anderen Ligen nicht die Qualität, die Zuschauerzahlen und das TV-Geld. Die Liga muss dringend darüber nachdenken, wie sie den nächsten Schritt gehen kann. Um den Impact, den die WM 2026 bringt, auch nachhaltig nutzen zu können."

      Das Sport-Imperium des Didi Mateschitz
      Das Sport-Imperium des Didi Mateschitz
      Bild: GEPA-pictures.com, imago sportfotodienst

      Auch der Motorsport fällt nun in seinen Aufgabenbereich, allen voran die Formel-1-Teams Red Bull Racing und Alpha Tauri: "Ich will in meiner neuen Rolle gar nicht groß darüber sprechen. Nur so viel: Ich als Privatperson finde sie sehr spannend. Ich war schon immer jemand, der sich für die Formel 1 interessiert hat. Auch schon zu Puma-Zeiten war ich in den Motorsport involviert. Deswegen habe ich einen gewissen Bezug dazu."

      Zudem wird Mintzlaff Leipzig aller Voraussicht nach als Aufsichtsratsboss erhalten bleiben: "Der Ehrenrat hat einen Aufsichtsrat vorgeschlagen. Und unsere stimmberechtigten Mitglieder haben mich dann im Umlaufverfahren, also schriftlich, in den Aufsichtsrat gewählt. In einem weiteren Schritt könnte ich zeitnah durch die Mitglieder des Aufsichtsrates zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werden."

      Mintzlaff zieht nach Österreich

      Sein neuer Lebensmittelpunkt? "Bei der Firmenzentrale in Fuschl, dort werde ich auch eine Wohnung beziehen. Ich werde kein Büro mehr in Leipzig haben", verrät Mintzlaff der "Bild" seinen Umzug nach Österreich. Seine Wortmeldungen sind insofern bemerkenswert, weil er als erster großer Entscheidungsträger im Unternehmen nach dem Ableben des Gründers öffentlich spricht. Und: Es ist gleichzeitig eines seiner letzten Interviews.

      Mintzlaff wird künftig nicht nur für das Fußball-Segment verantwortlich sein. Als Leipzig-Boss und Head of Global Soccer hinterlässt er zwei vakante Positionen, Nachfolger für beide werden noch gesucht. Mintzlaff verrät sein Anforderungsprofil – was soll ein neuer CEO können? "Der Fußball ist deutlich spezieller als ein klassisches Unternehmen. Weil er tagtäglich geprägt ist von Erfolg und Misserfolg. Als CEO darfst du dich davon nicht aus der Bahn werfen lassen. Das heißt Kontinuität ist extrem wichtig. Aber du brauchst auch die Sensibilität für den Sport. Was aber nicht dazu führen darf, dass der CEO denkt, er kann jetzt mal den ‘Football Manager 2023‘ durchspielen."

      Mehr Geld für Leipzig?

      Wird Red Bull unter seiner Leitung womöglich den Geldhahn noch weiter aufdrehen, um Leipzig einen deutschen Meistertitel zu ermöglichen? "Nein, das war auch nie der Ansatz. Ich glaube, dass wir unseren Weg Schritt für Schritt weiter gehen müssen und der wird nicht schneller gehen mit mehr Budget. Unser Ansatz war es noch nie, den Erfolg zu kaufen. Dass wir damals als Fünftligist eine Anschubfinanzierung hatten, stellt keiner in Frage. Aber wir sind immer vernünftig mit unseren finanziellen Möglichkeiten umgegangen. Wir haben Spieler bei uns, die schon in der 2. oder sogar 3. Liga zu uns gestoßen sind und die sich damals jeder Bundesligaklub hätte leisten können: Emil Forsberg, Yussuf Poulsen, Lukas Klostermann – um nur mal drei zu nennen. Diese Jungs standen 2020 für uns im Halbfinale der Champions League auf dem Platz. Das zeigt unseren nachhaltigen Weg. Wir sind ein absoluter Supporter des Financial Fairplay und würden uns sogar wünschen, dass es härtere Sanktionen gibt, wenn sich Klubs nicht an die Vorgaben halten."

      Übrigens: Um seine gewachsene Arbeitslast bewältigen zu können, greift er auch selbst zur Dose, wie Mintzlaff verrät: "Je nach Energielevel, aber meistens brauche ich schon eine Dose Red Bull, um durch den Tag zu kommen."

        Ein seltenes Fundstück: Mark Mateschitz, der damals noch Gerhardter im Nachnamen hieß, 2002 in Spielberg. Damals war er zehn Jahre alt.
        Ein seltenes Fundstück: Mark Mateschitz, der damals noch Gerhardter im Nachnamen hieß, 2002 in Spielberg. Damals war er zehn Jahre alt.
        TOPPRESS Austria / Schöndorfer Karl / picturedesk.com
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