Neuer Supermarkt mit Langzeitarbeitslosen

Am Montag wurde der zweite sozialökonomische Spar in Wien eröffnet. Die Filiale in der Davidgasse in Favoriten wird von der Caritas in Kooperation mit Spar und AMS betrieben.

Nur hundert Meter von dem ersten "Supermarkt mit Sozialwert in Favoriten" eröffnete an diesem Montag eine zweite Filiale. Spar, der größte private Arbeitgeber Österreichs, gibt in dieser Filiale Menschen eine zweite Chance. In einer Kooperation von Caritas, Spar und AMS können dort langezeitarbeitslose Frauen und Männer zurück in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Mutmachprojekt für Langzeitarbeitslose

"Wir haben gemeinsam mit Spar und AMS Wien ein wirkliches Mutmachprojekt eröffnet", erklärt Klaus Schwertner, Generalsekretär der Caritas Wien. Er stellt auch nochmals klar, dass die meisten Menschen arbeiten wollen und dass dies notwendige Maßnahmen der Armutsprävention seien. "Wir sind aufgefordert, etwas zu tun für andere, wenn es uns besser geht", ermahnt Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke (SPÖ) bei der Eröffnung im Spar.

Er hoffe ähnliche Projekte betreuen zu können. "Es ist eine Win-Win Situation für die Gesellschaft, aber auch für uns selbst, weil wir gute qualifizierte Mitarbeiter finden", so Spar Geschäftsführer Alois Huber. Der Supermarkt ist ein ganz normaler Supermarkt, nur dass dort Mitarbeiter wieder in das Berufsleben eingegliedert werden.

Ein Grund wieder aufzustehen

Die 39-jährige Barbara Zahnt ist eine der Mitarbeiterinnen in der Spar Filiale im zehnten Bezirk. Vor mehr als 5 Jahren erlebte sie einen bewaffneten Überfall in einem Drogeriemarkt. Nach Mobbing-Attacken ihrer Kollegen kündigte sie.

Langzeitarbeitslos ist man laut AMS, wenn man unter 25 Jahren sechs Monate und über 25 Jahre zwölf Monate keinen Job findet. Dann wird es schwierig. "Die Lücke im Lebenslauf hilft nicht bei der Arbeitssuche", erzählt sie. Vom AMS hört Barbara von der Eröffnung des zweiten Supermarkt mit sozialem Mehrwert in der Davidgasse in Favoriten. Sie wird Teil des Projekts und ist hoffnungsvoll. "Es gibt wieder einen Grund aufzustehen, man kann die Wohnung und das Essen zahlen", erzählt sie.

Sechs Monate in allen Bereichen schnuppern

Sie bekommt einen der neuen zwanzig Transitarbeitsplätzen für sechs Monate. In beiden "Supermärkten mit sozialem Wert" gibt es insgesamt 40 Transitarbeitsplätze. Nach sechs Monaten in allen möglichen Bereichen – (Kassa, Feinkost, Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Trockensortiment, Regalbetreuung, Reinigung) hoffen die Mitarbeiter auf einen unbefristeten Folgearbeitsplatz im Handel.

Seit 2017 Beginn des Projekts haben 284 Menschen in einem der beiden Filialen gearbeitet. 60 Prozent davon sind Frauen, 40 Prozent Männer. 61 Prozent von ihnen wurden in einen fixen Folgearbeitsplatz übernommen.

Gesbauer: „Den Kopf nicht hängen lassen"

R. Gesbauer (59) hat nach einer vierjährigen Arbeitspause wieder Freude an der Arbeit gefunden. Auch er erhofft sich eine Übernahme von Spar, wenn er seine sechs Monate beendet.

Er erinnert sich mit Schrecken an die Zeit der zahlreich versendeten Lebensläufe und Absagen. "Es ist frustrierend und in meinem Alter – ich bin fast sechzig – ist es äußerst schwierig", betont er. Man hat nichts zu tun, man fühlt sich nutzlos, erzählt er. Den Menschen ohne Job sagt er, dass sie den Kopf nicht hängen lassen dürfen.

AMS fördert sozialökonomische Betriebe mit 20 Millionen Euro

Petra Draxl, Landesgeschäftsführerin AMS Wien erklärt, dass die Filiale in der Davidgasse vom AMS mit 500.000 Euro gefördert wird. Erfolgsquote liegt bei allen sozialökonomischen Betrieben von 18 bis 60 Prozent. Es hänge von der Branche ab. Second Hand Läden der Volkshilfe, Restaurants oder die Radstation am Hauptbahnhof sind Beispiele von weiteren erfolgreichen sozialökonomischen Betrieben.

Wienweit erhalten sozialökonomische Betriebe vom AMS 20 Millionen Euro Förderungen. Weitere 58 Millionen Euro werden in die Überlassung von sozialökonomischen Arbeitskräften investiert.

Stand Dezember 2018: 66.275 Langzeitarbeitslose

413.936 Menschen waren im Dezember 2018 in Österreich erwerbslos gemeldet. Den Betroffenen stehen 65.372 offene Stelle gegenüber. In Wien waren Ende Dezember 2018 155.500 Menschen arbeitssuchend bzw. in Schulung. Die Zahl der langzeitsbeschäftigungslosen, besonders arbeitsmarktferneren Frauen und Männer umfasst in Wien im Dezember des Vorjahres 66.275 Personen.

Caritas im Einsatz für arbeitslose Menschen

In Wien ist die Caritas gemeinsam mit dem AMS seit 28 Jahren am erweiterten Arbeitsmarkt aktiv – mit Projekten wie dem Restaurant "Inigo" oder dem "Salon Schönbrunn". Im Vorjahr wurden rund 1250 langzeitsarbeitslose Frauen und Männer in verschiedensten Projekten betreut und begleitet. 500 zusätzliche Personen wurden beraten. Die Vermittlungsquote lag bei bis zu 57 Prozent.

(no)

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