Österreich

Neues Labor in Wien soll Medizin entwickeln

Heute eröffnet ein neues Labor in Wien, welches neue Wege in der Medikamenten-Entwicklung gehen soll.

Heute Redaktion
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Neues Labor verfolgt neuen Ansatz bei Medikamentenentwicklung
Neues Labor verfolgt neuen Ansatz bei Medikamentenentwicklung
Bild: Universität Wien

Leiter des neuen Labors ist Chemiker Nuno Maulide. Er wurde zum Wissenschafter des Jahres 2018 gekürt. An diesem Montag eröffnete das neuen Christian Doppler (CD)-Labor an der Uni Wien. Forscher gehen hier einem neuen Ansatz bei der Entwicklung pharmazeutischer Wirkstoffe nach. Ziel des Teams um den Chemiker Nuno Maulide im "CD-Labor für Entropieorientiertes Drug Design" ist es, Moleküle so aufzubauen, dass sie ihre ursprüngliche Ordnung nicht verlieren, heißt es in einer Aussendung.

Der Ansatz birgt großes Potenzial, die Entwicklung von Medikamenten im Dienst für die Gesellschaft stark zu beschleunigen, wie auch Margarete Schramböck, Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort, betont: "Die Errungenschaften der Digitalisierung, wie etwa KI-gestützte Datenauswertung, werden hier auf höchstem Niveau für Unternehmen nutzbar gemacht, gleichzeitig macht die Wissenschaft weitere Fortschritte. Die Gesellschaft profitiert durch die raschere und kostengünstigere Entwicklung neuer Medikamente und Therapien."

Sich dem Chaos entziehen

Die physikalische Wärmelehre besagt, dass das Universum aus sich heraus immer nach "Unordnung" strebt. Das Prinzip der Entropie wirkt auch in der mikroskopischen Welt der bioaktiven Substanzen. "Obwohl Moleküle typischerweise einer räumlichen Anordnung unterliegen, können sie sich bis zu einem gewissen Grad innerhalb ihrer vorgegebenen Struktur bewegen - taumeln und wackeln", sagt Nuno Maulide, Professor für Organische Synthese an der Fakultät für Chemie. Daher sind sie auch entropischen Kräften ausgesetzt: Für die Moleküle hat es also einen Preis, immer geordnet als passender Wirkstoff (Schlüssel) zum Ziel (Schloss) zu passen.

Das neue Christian Doppler Labor verfolgt das Ziel, diesen Preis zu drücken und die natürliche Bewegungsfreiheit der Moleküle einzuschränken: Es will die Moleküle so designen, dass sie möglichst gut zum Reaktionspartner passen und dabei gleichzeitig so starr sind, dass sie sich per se den Kräften der Entropie entziehen. Erste Studien konnten bereits zeigen, dass dieser Ansatz funktioniert.

Entropieorientiertes Wirkstoffdesign im Fokus

Die Forschungsgruppe um Nuno Maulide ist auf die Synthese komplexer Naturstoffe sowie auf die Entwicklung neuartiger und nachhaltiger Synthesemethoden spezialisiert. In dem neuen Christian Doppler Labor wollen die Forscher ihre Expertise auf das Problem des entropieorientierten Wirkstoffdesigns anwenden.

In den von der Christian Doppler Gesellschaft (CDG) für sieben Jahre genehmigten CD-Laboren kooperieren Wissenschafter mit Unternehmen im Bereich anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Das Budget kommt dabei jeweils zur Hälfte von der öffentlichen Hand und den Industriepartnern.