"Hohes Risiko" – Forscher warnen vor neuem Coronavirus

Ein Schwein blickt aus deinem deutschen Tiertransporter. (Symbolbild)
Ein Schwein blickt aus deinem deutschen Tiertransporter. (Symbolbild)picturedesk.com/dpa/David Inderlied
Ein neues Coronavirus mit Schweinen als Hauptwirt kann auch menschliche Zellen infizieren. Das haben Forscher nun nachgewiesen.

Das Coronavirus SADS-CoV (Swine Actue Diarrhea Syndrome) infizierte bislang vor allem Schweine. Bei den Tieren löst der erst 2016 in China entdeckte Erreger schwere Brechdurchfälle aus, an denen rund 90 Prozent der Ferkel zu Grunde gehen.  Rund 25.000 Tiere starben nach Angaben des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) allein um den Jahreswechsel 2016/2017.

Forscher gehen davon aus, dass sich SADS-CoV in Fledermäusen entwickelt, eine Abstammung die auch bei dem aktuellen Pandemie-Virus Sars-CoV-2 vermutet wird. Die beiden Coronaviren teilen sich noch eine für uns Menschen unerfreuliche Gemeinsamkeit: Forscher von der University of North Carolina at Chapel Hill konnten in einer Studie nachweisen, dass SADS-CoV auch menschliche Zellen infizieren kann. Im Test mit Zellkulturen zeigte sich, dass sich das Virus schnell im menschlichen Lungen- und Verdauungstrakt ausbreitet und vermehrt.

Das Schweine-Coronavirus scheint dabei aber keine der bisher bekannten Eintrittspforten zu nutzen, wie "Focus" berichtet. SADS-CoV soll menschliche Zellen weder über den ACE2-Rezeptor (wie Sars-CoV-2), noch über andere von Coronaviren bekannte Andockstellen infizieren. "Antikörper, die diese Rezeptoren blockieren, haben die Virenvermehrung in den menschlichen Zellen nicht gehemmt", berichten Studienleitern Caitlin Edwards und ihr Team. 

Risiko einer weiteren Pandemie

Wie die Übertragung auf die menschlichen Zellen funktioniert, müssten nun Folgestudien klären. Für Edwards ist in Anbetracht der Anfälligkeit unserer Zellen für das Schweine-Coronavirus, eines klar: "SADS-CoV manifestiert sich als potenzielles Hochrisiko-Coronavirus, das die globale Gesundheit und Wirtschaft beeinträchtigen könnte".

Der VGT betont in einer Aussendung, dass die "unglaubliche Zahl" der weltweit in Zucht- und Mastbetrieben gehaltenen Schweine "ein gefährliches Problem" darstellen würde: "In den engen und häufig unhygienischen Bedingungen können neue Krankheitserreger schnell tausende Tiere infizieren und durch die große Zahl an potentiellen WirtInnen auch schneller mutieren. Für Krankheitserreger ist es ein leichtes, sich hier zu verbreiten", so die Tierschützer. Sie fordern ein globales Umdenken in der Massentierhaltung: "Die Tiere leiden – der Mensch wird von Krankheiten bedroht. Dieses System muss sich ändern!"

Remdesivir soll gegen Schweine-Coronavirus wirken

Noch gibt es keine bestätigte Übertragung auf einen Menschen, doch für die Wissenschafter ist dies durchaus im Bereich des Möglichen. "Eine kontinuierliche Überwachung von Schweinen ist daher entscheidend wichtig", so die Forscher. Auch sollten Menschen mit regelmäßigem Kontakt zu den Tieren regelmäßig untersucht werden, um einen Ausbruch möglichst früh zu erkennen.

Einen Lichtblick scheint es aber zu geben. Das bei Sars-CoV-2 scheinbar nicht wirksame, antivirale Mittel Remdesivir, soll bei SADS-CoV-2 positiv angeschlagen haben. Es könnte also eine Möglichkeit sein, eine neue Pandemie zu verhindern.

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