"Theater im Park" eröffnet

Niavarani über Humor: "Ich war immer schon woke"

Im Gespräch mit "Heute" erzählen Niavarani und Jenny Frankl, warum Humor Fingerspitzengefühl braucht und ihre Zusammenarbeit so gut funktioniert.
20.05.2026, 06:00
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Wenn Michael Niavarani und Jenny Frankl gemeinsam arbeiten, dann entsteht daraus weit mehr als nur Kabarett. Es ist ein Zusammenspiel aus generationsübergreifendem Humor, gegenseitigem Vertrauen und einer Freundschaft, die über die Jahre gewachsen ist – und genau das spürt auch das Publikum.

Heuer stehen die beiden auch gemeinsam bei "Theater im Park" auf der Bühne: Mit dem Stück "Venus und Jupiter" bringen sie ihre eingespielte Dynamik unter freiem Himmel ins Publikum. Zusätzlich ist Niavarani mit seinem Solo-Programm "Homo Idioticus 2" im Park zu sehen. Der Auftakt für "Theater im Park" erfolgt bereits am 20. Mai mit Publikumsliebling Alex Kristan. Gespielt wird den ganzen Sommer über bis 17. September.

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Aus Zusammenarbeit wurde eine enge Freundschaft

Seit mittlerweile 14 Jahren gehen Frankl und Niavarani gemeinsame Wege. Kennengelernt haben sie sich fast filmreif: Nachdem Niavarani einen Auftritt der jungen Künstlerin in den Kammerspielen gesehen hatte, kontaktierte er sie kurzerhand und bot ihr ein Engagement an. Für Frankl kam das damals genau zur richtigen Zeit – eigentlich dachte sie nämlich bereits darüber nach, eine Ausbildung zur Hebamme zu machen, weil das Leben als freie Künstlerin finanziell alles andere als einfach war.

Nach der Geburt ihrer zwei Kinder übernahm Jenny Frankl die künstlerische Leitung im Kabarett "Simpl" – und bringt seither frischen Wind sowie eine weibliche Perspektive in die Programme.
Andreas Tischler / Vienna Press

Heute ist sie aus dem Kabarett Simpel nicht mehr wegzudenken. Nach der Geburt ihrer zwei Kinder übernahm sie dort die künstlerische Leitung – und bringt seither frischen Wind sowie eine weibliche Perspektive in die Programme. "Was Lustiges für Frauen zu schreiben, war für Nia irgendwie schwierig", erzählt die 39-Jährige. Also begannen die beiden irgendwann, gemeinsam zu schreiben – und fanden dabei offenbar eine kreative Frequenz, die bis heute außergewöhnlich gut funktioniert.

"Wir haben über die Jahre einfach eine sehr intensive Freundschaft entwickelt. Wir schwingen auf derselben Welle", sagt Frankl über die Zusammenarbeit mit dem Kabarett-Urgestein. Und Niavarani scheint die Rolle des Mentors ebenso ernst zu nehmen wie jene des Bühnenpartners. Für Frankl ist er "immer noch so dieser Beschützer-Papa", zu dem man gehen kann, wenn Programme heikel werden oder man sich fragt, ob eine Pointe wirklich funktioniert.

Frankl beschreibt Niavarani als hochprofessionell – allerdings mit einem ganz eigenen Arbeitsstil: "Er macht auch sehr viele Pausen während der Arbeit. Also es geht los und wir müssen schon wieder was essen", lacht sie.

So lustig ist Niavarani zuhause

Niavarani selbst sieht seine Rolle ohnehin mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Zuhause sorge er nicht für Unterhaltung, sondern eher für "Unmut", weil ihm ständig irgendein Blödsinn einfalle. Und wenn sich die Familie darüber beschwert, kontert er trocken: "Du, wenn ich nicht so deppert wäre, dann könntets ihr hier alle nicht essen."

Für Niavarani ist klar: Satire darf vieles – solange sie nicht auf ohnehin schon benachteiligte Menschen losgeht.
Andreas Tischler / Vienna Press

Genau diese Mischung aus Schlagfertigkeit und Selbstreflexion macht den Publikumsliebling seit Jahrzehnten erfolgreich. Der 57-Jährige denkt viel darüber nach, wo Humor aufhört und Verletzung beginnt. "Ich war immer schon woke", meint er augenzwinkernd. Denn schon lange bevor gesellschaftliche Sensibilität zum großen Thema wurde, habe er sich gefragt: "Kann ich das sagen oder verletze ich damit jemanden?"

Für ihn ist klar: Satire darf vieles – solange sie nicht auf ohnehin schon benachteiligte Menschen losgeht. "Wenn ich einen Witz über eine Minderheit mach, dann muss es ein Witz sein, wo ich karikiere, wie diese Minderheit behandelt wird. Wo also das Ziel der satirischen Pointe der Täter ist und nicht das Opfer."

Dass Humor trotzdem ein Balanceakt bleibt, weiß Niavarani nur zu gut. Legendär ist etwa jener Witz, den er drei Tage nach 9/11 auf einer Bühne machte – und der damals komplett floppte. "Ich bin zum Beispiel drei Tage nach 9/11 aufgetreten und hab gesagt 'Es gibt ein neues Puzzle vom World Trade Center, das muss man nur ausschütten und es ist schon fertig', ich hab das wahnsinnig lustig gefunden, aber die Leut nicht." Heute kann er selbst darüber lachen. Das Kabarett ist womöglich immer ein feiner Balanceakt zwischen Komik und Tragik.

Lampenfieber ist dem Showmaster nicht fremd

Trotz jahrzehntelanger Bühnenerfahrung kennt auch er noch Lampenfieber. Einen geheimen Trick dagegen habe er allerdings nicht: "Es ist einfach mein Beruf. Ich geh ins Theater, zieh mich um und dann spiel ich." Gerade in schwierigen Zeiten helfe ihm die Bühne sogar persönlich weiter. "Die Vorstellung rückt dann meine Seele irgendwie zurecht. Mir geht’s nachher immer besser wie vorher."

Und genau diese Hingabe ist es wohl auch, die Jenny Frankl an ihrem langjährigen Bühnenpartner so schätzt. Obwohl sie ursprünglich eigentlich "gar nicht so viel arbeiten" wollte, macht ihr die kreative Zusammenarbeit inzwischen so viel Freude, dass sie sich ein Leben ohne Bühne kaum mehr vorstellen kann.

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