Verkehrskontrolle eskaliert

Nicht angegurtet – Polizei schießt 96-mal auf Schwarzen

Ein jetzt veröffentlichtes Bodycam-Video hat die Diskussion zum Thema Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA neu entfacht.

Newsdesk Heute
Nicht angegurtet – Polizei schießt 96-mal auf Schwarzen
Schwester Porscha und Mutter Nicole Banks trauern bei der Pressekonferenz um Dexter Reed.
Ashlee Rezin / AP / picturedesk.com

In Chicago haben Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle nahezu 100 Schüsse auf einen 26-jährigen Schwarzen abgefeuert und ihn so getötet. Ein jetzt veröffentlichtes Bodycam-Video entfacht die Diskussion zum Thema Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA neu.

Der Vorfall hatte sich bereits am 21. März dieses Jahres ereignet, doch die zuständige Behörde veröffentlichte die Aufnahmen erst jetzt. Damals war Dexter Reed mit seinem SUV in eine Polizeikontrolle geraten. Laut Behörden wurde der junge Mann wegen eines nicht angelegten Sicherheitsgurts angehalten – doch die Anhaltung eskalierte völlig.

96 Schüsse innerhalb von 41 Sekunden

Der Clip zeigt fünf Polizeibeamte in Zivil, die den Wagen des 26-Jährigen umstellen. Reed lässt zunächst das Fenster herunter. Als er es wieder hochfährt, rüttelt eine Beamtin an dem verschlossenen Türgriff des Wagens, zieht ihre Waffe. Kraftausdrücke fallen und plötzlich peitschen wahnwitzige 96 Schüsse innerhalb von nur 41 Sekunden durch die Luft – selbst als Reed das Fahrzeug verlässt, zu Boden fällt und regungslos am Boden liegt. Ein Polizeibeamter allein feuert 50 Schüsse ab.

Die Polizei von Chicago gibt später an, dass Reed zuerst gefeuert und einen Beamten in den Unterarm getroffen habe. Eine Waffe soll auf dem Fahrersitz gefunden worden sein.

"Haben Problem mit Polizeiarbeit in dieser Stadt"

Die Hinterbliebenen des Opfers machen nun mobil: Auf einer Pressekonferenz sagte ein Anwalt der Familie: "Wir haben ein Problem mit der Polizeiarbeit in dieser Stadt." Die Polizisten hätten Kapuzenpullis und Baseballmützen getragen und sich zu keiner Zeit als Cops zu erkennen gegeben. Auch das Auto sei kein regulärer Polizeiwagen gewesen. Fünf Beamte seien "bewaffnet aus einem Auto gesprungen, für einen jungen Mann, der nicht angeschnallt war".

Die Beamten waren laut Ermittlungseinheit COPA, Teil einer "taktischen Bezirkseinheit". Die Polizei von Chicago sagt, dass diese seit Jahren Teil der Patrouille jedes Bezirks sei. Sie werden im Allgemeinen in Gebiete mit hoher Kriminalitätsrate geschickt und arbeiten in Uniform und manchmal auch in Straßenkleidung.

"Ein Sohn, ein Bruder, ein Onkel"

Schwester Porscha Banks erinnerte in der Pressekonferenz an den Verstorbenen als einen talentierten Highschool-Basketballer, der Sportreporter werden wollte. "Er war ein Sohn, ein Bruder, ein Onkel – ein geliebter Mensch."

Chicagos Bürgermeister Brandon Johnson versprach eine umfassende Aufklärung. Er sei "persönlich erschüttert, dass wieder ein junger schwarzer Mann sein Leben bei einem Zusammenstoß mit der Polizei verloren hat". Die Beamten wurden vorläufig beurlaubt.

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Auf den Punkt gebracht

  • Bei einer Verkehrskontrolle in Chicago haben Polizeibeamte fast 100 Schüsse auf einen 26-jährigen Schwarzen abgefeuert, was zu seinem Tod führte
  • Das kürzlich veröffentlichte Bodycam-Video hat eine erneute Debatte über Polizeigewalt gegen Schwarze ausgelöst, obwohl der Vorfall bereits im März dieses Jahres stattfand und erst jetzt bekannt wurde
  • Die Hinterbliebenen des Opfers kritisieren die unverhältnismäßige Reaktion der Polizei und fordern eine gründliche Aufklärung, während der Bürgermeister von Chicago eine umfassende Untersuchung verspricht
red
Akt.